Holz und Stein

veronika zettler

Von veronika zettler

So, 02. September 2018

Kunst

Der Sonntag In der Kunsthalle Brombach dreht sich derzeit alles um Natur und Heimat.

Viel Gutes brachte es nicht mit sich, das Hochwasser im November 2017. Für Thomas Nüssle entpuppte es sich dann aber doch als Fundgrube. Die Wiese transportierte alles Mögliche mit sich und Nüssle fischte zu Hause in Steinen aus den braunen Wassermassen eine Naturschönheit nach der anderen: Große, knorrige Wurzeln. Dicke Erdschollen. Seltene Steine. Rostige Metallteile. Sogar ein Eisenfass, das die enorme Wasserkraft zu einem kugelförmigen Gebilde zusammengefaltet hatte. Einige dieser Fundstücke hat Nüssle in Kunst verwandelt. Seine Werke sind kurzum "Natur pur", wie denn auch die aktuelle Gruppenausstellung in der Kunsthalle Brombach heißt.

Die verzweigten und verwitterten Baumwurzeln entfalten auf Natursteine montiert ihre skulpturale Schönheit, perfekt in jeder Faser und nicht kopierbar. Das zusammengedrückte Eisenfass ist zu einer massiven Rosenblüte über Blättern aus rostzerfressenem Stahlblech erblüht.

Ähnlich bei Roland Tust aus Märkt. Der Möbelschreiner verarbeitete etwa Schwemmgut aus der Kander. Ein Blickfang ist das in aufwendiger Feinarbeit freigelegte Geflecht von Efeuranken, die einmal um einen Baum herum wuchsen. Tust hat sie abgeschliffen und bearbeitet, sodass eine luftige, filigran verflochtene Röhrenskulptur entstand. "Die Natur ist der eigentliche Künstler, erklärt Tusts ebenfalls in der Ausstellung vertretene Künstlerkollege Hari Kobiella aus Lörrach, "wir legen nur noch ein bisschen Hand an".

Mit "Natur pur" und dem später dazugekommenen Schwerpunkt "Heimat" zeigt sich die 2011 eröffnete Kunsthalle auf dem ehemaligen Schöpflin-Areal einmal mehr als eine der kreativsten und unkonventionellsten Kunstbegegnungsstätten in Lörrach. Dabei kommt sie, einmal abgesehen vom Mietverzicht der Firma Vacuform, ohne Fördermittel aus, verlangt nicht einmal Eintritt während der Öffnungszeiten. Alles wird ehrenamtlich erledigt, erklärt Thomas Nüssle. Wo nötig, improvisiert man. Vor allem gebe es "immer gute Gespräche". Und: Die Künstler unterstützen sich gegenseitig. Was der eine nicht weiß, kann oder hat, bringt ein anderer mit. Wie unterschiedlich die künstlerischen Positionen und Stilrichtungen auch sein mögen, in der Kunsthalle passen sie zusammen.

Der ausgestellte Schamanenbaum, obwohl noch nicht ganz fertiggestellt, spiegelt diesen Gemeinsinn wider. In das heimische Nussholz haben mehrere Künstler aus dem Dienstagskreis der Kunsthalle ihre jeweils bevorzugte Symbolik und Technik eingearbeitet. Ein Jesusallegorie, eine Maske, eine Schlange...

Auch in den Ausstellungen will Kunsthallenkurator Wernt Hann die Werke verschiedener Künstler "einander begegnen und ineinandergreifen" lassen. Ohnehin sei die Einrichtung permanent in Veränderung: "Etwas geht raus, etwas anderes kommt rein", sagt Hann. Jüngster Zuwachs ist eine Gemeinschaftsproduktion von ihm und Nüssle: die Klangkiste, eine Mischung aus Spieluhr und elektromechanischem Schmuckkästchen. Hann, Steinmetz von Beruf und überdies passionierter Tüftler, hat dafür diverse Naturgeräusche aufgenommen: das Grillenzirpen hinterm Haus, das Plätschern des Hirzlebrunnens in Hägelberg, die Vogelstimmen im umliegenden Wald – eben den Sound der Heimat. Wobei der Begriff in der Kunsthalle gerade ordentlich entstaubt wird.

"Ich wollte vom klassischen Heimatgedanken weg", erklärt denn auch Thomas Bossert, der wie knapp 20 weitere Künstler ein Atelier in der alten Schöpflin-Fabrik hat. Mit einem pink lackierten Hirschgeweih, die Schädelform mit Blattgold überzogen, inszeniert er ein urtypisches Schwarzwälder Heimatmotiv zwischen Barock und Pop-Art. Dahinter prangt eines seiner perfektionistisch ausgeführten surrealistischen Gemälde: ein weiterer Hirsch, diesmal flankiert von zwei Hasen mit Warnlampen auf dem Kopf.

Sei es der für seine Gemälde bekannte Hari Kobiella, der diesmal einige Steinkunstwerke zeigt, sei es Waltraud Schmidle aus Efringen-Kirchen, die in ihren Bildern Naturmaterialien wie Sand oder Kies einsetzt: Kraft und Ästhetik der Natur stellen alle Künstler in den Mittelpunkt. Typisch Kunsthalle, geht ab 22. September das ein oder andere in die neue Ausstellung "Mensch pur" über. veronika zettler
Kunsthalle Brombach Schopfheimer Straße 25, Lörrach-Brombach, sonntags 12 bis 17 Uhr. http://www.kunsthalle-brombach.de

.