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22. April 2010
Klassik
Hotaki und Lauer zum Neustart der Freiburger Albert-Konzerte
Der Neue hat über Robert Schumann promoviert. Doch Leander Hotaki, seit den Turbulenzen im Januar Geschäftsführer und künstlerischer Leiter der Freiburger Albert-Konzerte, ist auch versierter Manager.
Der Neue hat über Robert Schumann promoviert. Doch Leander Hotaki, seit den Turbulenzen im Januar Geschäftsführer und künstlerischer Leiter der Freiburger Albert-Konzerte, kann auch auf viel Erfahrung im Künstlermanagement verweisen, unter anderem als Spiritus rector der Konzertreihen der Klavierfirma Bechstein in Berlin zwischen 2003 und 2008. Für Plattenfirmen wie Sony Classical betreute er Editionen etwa zu Horowitz oder Mozart mit Murray Perahia. Alexander Dick sprach mit ihm und Klaus Lauer, dem neuen künstlerischen Berater bei Albert, über die Zukunft der Reihe.
BZ: Herr Hotaki, nach den Turbulenzen um die Freiburger Albert-Konzerte zu Jahresbeginn haben Sie als neuer Geschäftsführer in zwei Monaten einen Konzert- und einen Kammermusikzyklus für die Spielzeit 2010/2011 präsentiert, die auf positive Resonanz gestoßen sind. Wie wird es nun weitergehen?Hotaki: Wegen der kurzen Zeit, in der wir die Spielzeit 2010/11 planen mussten, gab es keine großen Änderungen. Neu ist, dass wir einen künstlerischen Berater, Klaus Lauer, verpflichtet haben, der mein Netzwerk erweitert und einen ständigen Dialog mit mir führt. Als langjährigen Leiter der Römerbad-Musiktage in Badenweiler habe ich ihn gebeten, ab der Spielzeit 2011/12 ein kleines fünftägiges Festival in unmittelbarer Nähe Freiburgs zu organisieren. Dort sollen in Zusammenarbeit mit Komponisten neue Wege ausprobiert werden.
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Hotaki: Zunächst meine ich, dass es sich nicht um eine Krise der E-Musik handelt. Unveräußerlich für mich sind bei den Albert-Konzerten die Inhalte: keinerlei Kompromisse in der künstlerischen Qualität. Wir setzen auf große Musik mit großen Interpreten, die mitten im Leben eine Berührung mit dem Absoluten bietet. Mit zusätzlichen neuen Formaten und neuen Wegen der Vermittlung, um Neugierde zu wecken und mögliche Barrieren abzubauen, setzen wir uns intensiv auseinander. Dabei reden wir über Konzerteinführungen, Künstlerinterviews, direkte Begegnungen des Publikums mit den Künstlern, Zusammensein nach den Konzerten, Kinderbetreuung für jüngere Paare et cetera. Die Entwicklung ist im Fluss. Doch sollen dies alles zusätzliche Angebote sein, die das Wesen des Konzertes – sich zu sammeln und zuzuhören – unangetastet lassen.
Lauer: Ich habe das Buch natürlich auch gelesen und die "fudder"-Diskussion verfolgt. Eines muss ich allerdings als unveränderbar festhalten: Während der Darbietungen kann man nicht mit einem Drink in der Hand herumspazieren und sich mit Leuten unterhalten. Wenn jemand nicht eine halbe oder dreiviertel Stunde ruhig sein kann, dann ist dies keine Krise des Konzertlebens, sondern derjenige hat ein Problem. Über alles andere kann man reden.
BZ: Was planen Sie für die Zukunft?
Hotaki: Wir arbeiten natürlich bereits an den nächsten Spielzeiten, die von unverändert hoher Qualität und dramaturgischer Konsequenz sein werden. Neben den in Freiburg bekannten großen Namen haben wir bewusst auch Musiker der Weltklasse im Auge, die in Freiburg bisher nicht präsent waren. Ein Anliegen ist uns auch, den Nachwuchs zu fördern, wobei ich allerdings deutlich unterscheide zwischen Künstlern, die mit Hochglanzkampagnen über gutes Aussehen und smartes Äußeres vermarket werden, und jenen zuweilen eher stilleren Stars, die die wirkliche Elite der kommenden Generation bilden werden. Auch hier zählt nur eines: Qualität.
Lauer: Was die Kammermusik betrifft, so gibt es auch hier ein weites Feld großartiger Musiker, die wir hier noch nicht kennen. Wir legen Wert darauf, Musik aller Perioden bis in die Gegenwart vorzustellen. Man darf neugierig sein.
BZ: Alle reden davon, dass kein Geld mehr da sei, Einsparungen nötig seien et cetera. Wie sieht es da bei Albert aus?
Hotaki: Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir einerseits einen großen, treuen Abonnentenkreis haben, und andererseits die beiden Gesellschafter, die Heinrich Rombach KG und die Volksbank Freiburg, unverbrüchlich hinter dieser traditionsreichen Konzertreihe stehen – ein Mäzenatentum, wie es heute selten geworden ist. Vor diesem Hintergrund sind die Albert-Konzerte glänzend für die Zukunft aufgestellt.
Autor: adi


