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17. November 2008

Hypnotische Muster

Mit Ronin gastierte eines der interessantesten Ensembles Europas bei der Jazzpassage in Offenburg

  1. Der Meister und sein Ensemble: Nik Bärtsch (l.) mit Ronin Foto: marc wetli/ECM

Eine beeindruckende Gestalt, wie er da am Flügel sitzt: Ganz in Schwarz (wie seine Mitmusiker auch), mit kahlem hellem Schädel, aber tiefschwarzen Augenbrauen auf der Stirn und Bartstrich unterm Mund, ganz gerade im Rücken, die langen Arme und Finger spielen fast wie mit einen Eigenleben versehen. Konzentriert ist der Blick, aber offen das Gesicht: Öfters lächelt Nik Bärtsch seine Partner an, quer über die Bühne. Obwohl die Musik von Ronin große Präzision verlangt, wirken auch die anderen Mitglieder des Quintetts entspannt. Wie in einer gelungenen Yoga-Übung.

Die fernöstliche Assoziation passt. Nach herrenlosen Samurai der japanischen Feudalzeit hat Bärtsch seine Gruppe benannt, "Zen-Funk" nennt er ihre Musik. Ein ganz eigener Stil, der Elemente aus Jazz, Minimal Music und eben Funk benutzt. Ronin ist eines der interessantesten Ensembles der europäischen Szene, gerne vom Jazzpublikum goutiert, aber interessant darüber hinaus. Zum ersten Mal spielten die Zürcher jetzt in der Region, beim deutsch-französischen Festivals Jazzpassage in der Offenburger Reithalle.

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Zuvor ein Kontrastprogramm: Clownerien des französischen Trompeters Médéric Collignon, die er mit Stimme, Mund-Percussion und Taschenkornett anstellte, improvisierend begleitet vom Gitarristen Sylvain Luc. Der Witz der Geräuschemachereien, die jeder Kindergeburtstagsgesellschaft Spaß machten, hatte sich nach einer halben Stunde verbraucht. Leider ging’s länger.

Ronin dann auf der Bühne verteilt, in der Mitte Perkussionist Andi Pupato, nicht zufällig, denn von feinen rhythmischen Mustern geht die Musik aus. Kleine komplizierte Einheiten, die nie dem gerade swingenden Rhythmus des Jazz entsprechen, werden unaufhörlich aneinandergekettet. So dass durch die stete Wiederholung doch so etwas wie Swing entsteht. Ronins Musik setzt in Bewegung, Nicken und Wippen im Publikum.

Module nennt Bärtsch seine Kompositionen, sie werden durchnummeriert. Womit angezeigt ist, dass es hier nicht um Bildermalerei in Musik geht. Sondern um Musik an sich. Auch nicht um den individuellen Ausdruck von Solisten. Sondern um das Kollektiv: Alle Instrumente spielen übereinander gelagert stetig wiederholte Figuren. Weil der einzige Bläser, Künstlername Sha, meist die Bassklarinette benutzt, ist die Musik sehr tief gelegt. Nur Klavierfiguren von Bärtschs rechter Hand setzen helle Aspekte.

Die stete Wiederholung hat eine hypnotische Wirkung. Der Zuhörer wird hineingesogen, geistig erst. Und dann körperlich, wenn die Musik – auf einen Zuruf Bärtsch’s – das Muster wechselt, schneller wird, anschwillt, wenn das Ensemble zulegt, Drummer Kaspar Rast es donnern lässt, die Musik wie eine große Wellenwand wirkt. Da darf man auch mal kurz an Rockmusik à la Pink Floyd denken.

Die aber nie den anderen Pol hat: das Bewegliche. Der lange Bassist Björn Meyer verkörpert es: Zu den sehr schnellen Figuren, die er ins rhythmische Muster flicht, tänzelt er, setzt er den Oberkörper in Schwingung. Und bekommt von Nik Bärtsch das Lächeln.
– Aktuelle CD: Nik Bärtsch’s Ronin, Holon (ECM/Universal). Weiteres Konzert: Basel, Schauspielhaus, 29. April. Info: http://www.jazzfestivalbasel.ch

Autor: Thomas Steiner