Jazz Loves Bernstein

JAZZ: Ausgezeichnete Verbindung

Reiner Kobe

Von Reiner Kobe

Sa, 01. September 2018

Rock & Pop

Das in altertümlichem Schwarz-Weiß gehaltene Cover des Doppel-Albums "Jazz Loves Bernstein" weist auf einen Umstand hin, der den Klassik-Komponisten von einer anderen Seite zeigt. Zeitlebens war Leonard Bernstein auch dem Jazz zugetan. Als er 1942 nach New York zog, kam er in Kontakt mit Shows und Revuen. Er spielte Klavier im "Village Vanguard", dem legendären Jazz-Tempel, und transkribierte für einen Verlag Improvisationen von Coleman Hawkins, dem Vater des modernen Tenorsaxophons. "Jazz and I are on excellent terms", verkündete der Komponist. Dass er der Jazzwelt zahlreiche Standards und Ohrwürmer schenkte, macht besagtes Album deutlich. Von den 27 Titeln sind die Hälfte der 1957 veröffentlichten "West Side Story", der Rest anderen Musicals wie "On The Town" oder "Wunderful Town" zuzuordnen. Vorwiegend Sängerinnen und Sänger, aber auch Bigbands und Klaviertrios interpretierten, alle auf ihre Weise, Bernsteins Stücke, meist eingespielt in den 60er Jahren.
Für seinen wichtigsten Song hielt der Meister "Somewhere", hervorragend dargeboten vom Oscar Peterson Trio. Überhaupt Peterson: Der kanadische Pianist, der noch drei weitere Interpretationen, darunter "I Feel Pretty", beisteuert, nahm später ein ganzes Album mit Bernstein-Songs auf. Drei der bemerkenswertesten Songs hat Manny Albam mit seinem Orchester, das später eine komplette Jazz-Version der "West Side Story" vorlegte, aufgenommen. "America", "I Feel Pretty" und "One Hand, One Heart" stürmen in einem Medley auf den Zuhörer ein. Dass der Latino-Hit "America" nur einmal vorkommt, überrascht. Nicht jedoch, dass "Maria" zweimal vertreten ist, gespielt vom Eric Reed Trio und gesungen von der unvergessenen Sarah Vaughan, die den Hit als eine Opernarie darbietet. Die von Bernstein bewunderte Billie Holiday ließ ihre markante Blues-Stimme 1944 auf "Big Stuff" erklingen, das 1945 ins Musical "On The Town" aufgenommen wurde.

Die Jazz-Versionen seiner Werke wusste Leonard Bernstein sehr wohl zu schätzen – verständlich, wenn man sich diese exzellente Zusammenstellung zu Gemüte führt.

Jazz Loves Bernstein. Zwei CDs
(Decca/Universal).