Kinofreaks und Jazzfans aufgepasst!

Jazz-Trio trifft auf Stummfilm

rob

Von rob

Fr, 21. November 2008 um 12:53 Uhr

Lahr

Der Posaunist Mario Rosenfeld begleitet mit seinem Jazz-Trio "Eclipse" einen Stummfilm. Robert Ullmann befragte den Musiker zu diesem höchst ungewöhnlichen Projekt.

Der Posaunist Mario Rosenfeld, seit kurzem Lehrer an der Städtischen Musikschule, stellt sich am Dienstagabend in Lahr im Konzert vor. Mit seinem Jazz-Trio "Eclipse" illustriert Rosenfeld einen Stummfilm. Kein alter Streifen aus Kintopp-Zeiten, sondern ein neuer Film mit heutiger Bildsprache – und dennoch ein Stummfilm!

BZ: Herr Rosenfeld, ein Stummfilm – nicht aus Ur-Opas Tagen, sondern erst vor wenigen Jahren gedreht. Wie kommt das?
Rosenfeld: Das war eine künstlerische Entscheidung des Regisseurs. Der Film heißt "Sidewald Stories". Er schildert die Geschichte eines Künstlers, eines Portraitzeichners, der einen Mord miterlebt. Er flieht mit dem zweijährigen Töchterchen des Ermordeten und wird von allen Seiten gejagt, während er zugleich versucht, die Bedürfnisse des Kindes zu erfüllen. Der Film ist zwar "stumm", aber er hat eine Tonspur. Die wird ausgeblendet und live durch die Musik unserer Trios ersetzt.
BZ: Wie entstand dieses Projekt?
Rosenfeld:
Ein Freund hat uns mit diesem Film bekannt gemacht. So etwas live zu vertonen, ist völlig anders als ein "normales" Konzert. Einfach, weil es durch den Film mit seinen Bildern, Kameraführungen, Schnitten, mit seiner Aktion und Dramatik Vorgaben gibt. Auch Zeitvorgaben: Noch soundso lang bis zum nächsten Schnitt. Da muss man seine Improvisationen darauf ausrichten. Mittlerweile haben wir "Sidewalk Stories" schon rund 50 Mal begleitet. Da hat man die wichtigen Schnitte sehr genau im Kopf. Wenn der Mann mit dem Hut auftaucht, hast du noch fünf Sekunden – so ungefähr.
BZ: Ist die Besetzung Ihres Trios – Oli Biella, Kontrabass, Jogi Nestel, Schlagwerk, und Sie an der Posaune – nicht eher ungewöhnlich?
Rosenfeld: Vielleicht wegen des Fehlens eines Klaviers. Dadurch ist der Sound ganz anders. Aber wir kennen uns schon sehr lange und spielen schon immer in dieser Formation. Wir haben das Piano noch nie vermisst. Außerdem bin ich ein Fan von Musik des Früh- und Vorbarock. Die habe ich kennen- und schätzen gelernt, als ich in Stuttgart Posaunenchöre leitete. Ich unterrichte ja nicht nur Jazz, sondern auch klassisch.

BZ: Waren Sie schon immer Jazz-Fan und wie kamen Sie zur Posaune?
Rosenfeld: Ich habe eine typische Mittelschicht-Musikschüler-Karriere. Erst Blockflöte. Später lernte ich Gitarre und spielte in einer Band, wie man das als Jugendlicher so macht. Jazz war eine Musikrichtung von vielen, die ich gehört habe, die mich aber später als aktiver Musiker immer mehr faszinierte. Mit 26 Jahren habe ich dann mit der Posaune angefangen, weitestgehend autodidaktisch. Das zeigt, dass man auch als Erwachsener ein Instrument lernen kann, wenn man es will. Wenn mir jemand erklärt, er würde gern, aber er sei zu alt, kann ich entgegnen: "Nein, sehen Sie mich an."

Info: Dienstag, 25. Novenber, 19 Uhr: Konzert + Film. Jazz-Trio "Eclipse" spielt live zum Film "Sidewalk Stories". Ort: Orchestersaal Musikschule Lahr. Der Eintritt ist frei.