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04. Juli 2012
Interview
Julie Delpy: „Ich wollte ja keine Doku drehen“
TICKET-INTERVIEW: Julie Delpy über Komödien und Klischees, Franzosen und Amerikaner.
Julie Delpy (41) lebt immer öfter ihre Leidenschaft als Regisseurin aus. Vor fünf Jahren gab die Schauspielerin, die mit Filmen wie "Hitlerjunge Salomon", "Drei Farben: Weiß" und "Before Sunrise" zum Star wurde, mit " 2 Tage Paris" ihr Regiedebüt. Nun läuft mit "2 Tage New York" die Fortsetzung an. Anfang August kommt bereits ihre nächste Regiearbeit in unsere Kinos: "Familientreffen mit Hindernissen". Markus Tschiedert sprach mit der Französin, die mit dem Müncher Filmkomponisten Marc Streitenfeld liiert ist.
Ticket: Mit "2 Tage Paris" gaben Sie 2007 Ihr Regiedebüt. Warum jetzt eine Fortsetzung?
Julie Delpy: Gewiss ist es eine, denn die von mir gespielte Marion ist wieder mit von der Partie. Aber es ist kein typischer Fortsetzungsfilm, denn sie hat jetzt einen anderen Freund – und sie lebt in einer neuen Stadt, woraus sich ganz neue Konstellationen ergeben.
Ticket: War es von Anfang an Ihr Plan, ihr Leben weiterzuspinnen?
Delpy: Nun, die Idee entstand natürlich, nachdem "2 Tage Paris" so erfolgreich gelaufen war und ich feststellte, dass man die Konflikte eines multikulturellen Liebespaares bestimmt noch weiter ausführen könnte. Also dachte ich, wie wäre es, wenn man das Ganze umdreht und es nun Franzosen sind, die eine Invasion auf Manhattan starten.
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Delpy: Sicher, aber es gehört nun mal zu einer Komödie, damit herumzuspielen. Wobei nicht jeder Franzose so ist wie die Figuren aus meinem Film. Obwohl ich Typen kennen, die sind wie Marions verflossener Liebhaber aus Frankreich, ebenso kenne aber auch Frauen wie meine Schwester aus dem Film und deren Vater, der aus Frankreich Lebensmittel in die USA schmuggeln will, weil er Angst hat, sonst zu verhungern. Die Amerikaner stelle ich dafür durch Chris Rock etwas puritanischer dar – auch das trifft nicht auf jeden Amerikaner zu, schon gar nicht auf Chris Rock. In jedem Klischee steckt aber auch ein Fünkchen Wahrheit, und in einer Komödie wird das auf die Spitze getrieben. Ich wollte ja keinen Dokumentarfilm über Franzosen in Manhattan drehen.
Ticket: Reagieren Amerikaner auf "2 Tage New York" eigentlich anders als Franzosen oder lachen alle an den gleichen Stellen?
Delpy: Manche Amerikaner lachen, wirken dabei aber etwas nervös. Wenn im Film der Penis des kleinen Jungen gemessen wird, empfinden das Amerikaner eher als anstößig. Ich habe "2 Tage in New York" beispielsweise in Utah gezeigt, wo die Zuschauer darüber regelrecht geschockt waren. Andererseits werden nirgendwo auf der Welt so viele Pornos geguckt wie in Utah.
Ticket: Aber die Szene ist natürlich sehr lustig...
Delpy: Ja, weil wir uns darüber lustig machen, worüber sich jede Mutter sorgt. Ist der Penis meines Sohnes groß genug für sein zukünftiges Liebesleben (lacht)?
Ticket: Ihr Sohn ist drei Jahre alt. Wie gehen Sie mit ihm um?
Delpy: Mittlerweile ist es so, dass ich ihn auf Reisen überall hin mitnehme, was nicht immer einfach ist – nicht jeder mag Kinder. Aber daran mag ich mich nicht orientieren.
Ticket: Wie schaffen Sie das, wenn Sie wie diesmal fast gleichzeitig vor und hinter der Kamera stehen?
Delpy: Wenn ich einen Film drehe, versuche ich das so zu organisieren, dass mein Freund in diesem Zeitraum nicht arbeiten muss. Genauso versucht auch er, Aufträge nur anzunehmen, wenn gewiss ist, dass ich frei habe. Das funktioniert ganz gut, außerdem nehme ich auch gern Hilfe von einer Nanny in Anspruch. Ich habe sowohl in den USA als auch in Frankreich eine.
Ticket: . Warum haben Sie eigentlich in "2 Tage New York" Adam Goldberg zu Ihrem Ex gemacht, um mit Chris Rock eine neue Beziehung einzugehen?
Delpy: Das hat etwas zu tun mit "Before Sunset" von 2004, der Fortsetzung zu "Before Sunrise" neun Jahre zuvor. Da stand mit Ethan Hawke und mir wieder das gleiche Paar im Mittelpunkt: Ich befürchtete, dass zu viele Ähnlichkeiten entstehen könnten, wenn jetzt erneut ein Paar auftaucht, das sich schon aus dem ersten Teil kennt. Ich fand es auch viel spannender, Marion zu folgen, die sich eine Beziehung von längerer Dauer aufbauen will.
2 TAGE NEW YORK
Regie: Julie Delpy
Mit Julie Delpy, Chris Rock, Albert Delpy, Aleksia Landeau, Emily Wagner und andere
96 Minuten, frei ab 12 Jahren
Die Story
Mit ihrem neuen Partner Mingus (Chris Rock), dessen Tochter und ihrem Sohn lebt Fotografin Marion (Julie Delpy) in New York. Da kündigt sich Besuch aus Paris an. Nicht nur der Papa und die Schwester, sondern auch ihr Ex-Lover wollen wissen, wie es sich in der Metropole lebt. Die amerikanische und die französische Kultur preschen aufeinander, was zu allerlei Missverständnissen und Streitereien führt...
Autor: bz
Autor: tsc



