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27. Dezember 2008
"Kabarettisten haben die Pflicht zur guten Laune"
BZ-Interview: Matthias Deutschmann denkt über 2009 nach
Seit April 2007 ist der Freiburger Kabarettist Matthias Deutschmann mit seinem aktuellen Programm unterwegs. Heute und morgen spielt er "Die Reise nach Jerusalem" zum vorletzten und letzten Mal in Freiburg. Alexander Dick hat sich mit dem cellospielenden Wortjongleur unterhalten.
BZ: Finanzkrise, Wirtschaftskrise und irgendwo gibt es auch sie noch, die Klimakatastrophe, wie Sie in Ihrem nun zu Ende gehenden Programm "Die Reise nach Jerusalem" sagen. Sind das nun gute oder schlechte Zeiten für Kabarettisten?Matthias Deutschmann: Die Kernschmelze des Weltfinanzsystems stellt den abschmelzenden Nordpol erstmal in den Schatten. Ein normaler Bankvorstand kann sich damit begnügen, dass er die Welt nicht mehr versteht und darf am kapitalistischen System verzweifeln. Kabarettisten haben die Pflicht zur guten Laune.
BZ: Hat sich das Programm unter dem Einfluss der Aktualität verändert?
Deutschmann: Es ist viel zu viel passiert, um in Ruhe weiter zu spielen. Als Obama am 4. November um 6 Uhr MEZ sprach, kamen mir die Tränen in die Augen. "Yes we can!" Das war wirklich großes Theater. Toll inszeniert und wirklich ergreifend. Obama hat eine enorme Fallhöhe aufgebaut. 2009 wird sehr spannend.
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Deutschmann: Für mich war Kabarett immer ein politisches Medium. Vornehmlich dient es der Unterhaltung, aber manchmal ist auch mehr drin. Das sind die Momente, für die es sich wirklich lohnt, auf der Bühne zu stehen. Und darauf wartet auch ein gutes Publikum.
BZ: Man kennt Matthias Deutschmann von seinen Auftritten stets ganz in Existenzialisten-Schwarz. Sie sagen – Dienstkleidung des Kabarettisten. Oder sind Sie ein Schwarzseher?
Deutschmann: Der Eindruck drängt sich auf, aber auch für mich gilt der wunderbare Satz von Ödön von Horváth : "Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu!"
BZ: Nun gibt es eine CD Ihres zu Ende gehenden Programms. Wo waren für Sie die Highlights? Und würden Sie heute manches gar anders machen?
Deutschmann: Es geht für mich weniger um einzelne Highlights als um den ganzen Abend. Wenn das Material stimmt, dann wird ein Kabarettprogramm durch Spielen immer besser. Die Leute müssen spüren, dass man sich auch mit schwerem Gepäck auf den Weg zu ihnen gemacht hat. Klingt ein bisschen nach Weihnachtsmann?!
BZ: 2009 steht vor der Tür und wir sitzen alle wie das Kaninchen vor der Schlange vor diesem gefürchteten Krisenjahr. Ihre – kabarettistische – Prognose für 2009?
Deutschmann: In Hessen gibt es eine linksgrüne Regierungskoalition unter Duldung der SPD. Joschka Fischer und Oskar Lafontaine kaufen Opel aus der Konkursmasse von General Motors. Sparkassen und Volksbanken werden nicht verstaatlicht. Steinmeier wird BND-Chef – Gundolf Fleischer OB-Kandidat für Freiburg. Muss ich weitermachen? Nein? Danke!
– Matthias Deutschmann: Die Reise nach Jerusalem. Heute und morgen, jeweils 20 Uhr, E-Werk Freiburg, Großer Saal.
