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19. Mai 2009

Keine Spur von Krise

Die Geschmackspolizei feiert in Freiburg Geburtstag

Zehn Jahre Ermittlungsarbeit in Sachen schlechtem Geschmack, das hinterlässt Spuren. Seit zwei Jahren ist die Geschmackspolizei Freiburg nur noch ein Duo: GeschPOM B. No. B. und GeschPOM RD Welteroth müssen auf den dritten im Bunde, GeschPOM Jürgen "Stefan" Schatzner, verzichten, der "aus gesundheitlichen Gründen" aufgab, zur Feierstunde aber eigens angereist war. Das Kölner Exil tut ihm sichtlich gut und auch seine neue Arbeit im "Bundesgeschmacksarchiv".

Im kleinen Kreis wurde das Jubiläum begangen, das Swamp trotzdem voll. Man könnte meinen, an so einem lauschigen Abend gäbe es Besseres zu tun, als einem quälenden Jubiläums-Informationsabend beizuwohnen. Andererseits macht auch das Verbrechen keine Pause. Müßig zu erwähnen, dass an diesem Samstag allerhand los war, was unerträgliche, musikalische Verbrechen betrifft: In der Rothaus Arena "Das Überraschungsfest der Volksmusik" und im Fernsehen trieb der Grand Prix sein Unwesen. "Kann sein, dass wir kurzfristig ausrücken müssen", befürchtete GeschPOM RD Welteroth in gewohnt lakonisch, mürrischer Art.

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Ein Querschnitt der größten Fahndungserfolge


Keine Spur von Krise also bei der GeschPo, während sich natürlich eine solche schon immer in Liedgut niedergeschlagen hat: Krise schützt vor Singen nicht: Lehrer-Personalräte, Gewerkschaftsgruppen, aber ebenso gehirngewaschene Vertriebstrainierte fühlen sich bemüßigt, – vorsichtig gesagt – engagierte Lieder auszudenken und anzustimmen. Dann lieber doch Roberto Blancos quietschfideler Gassenhauer "Samba si! Arbeit no!", den GeschPOM B. No. B. den Opel-Arbeitern widmet.

Es gibt nichts, was es nicht gibt. Zum 10-Jährigen präsentiert die Geschpo ein kleinen Querschnitt durch die größten Fahndungserfolge in den verschiedenen Abteilungen, die – je nach Bedarf – auch ganze Abende füllen können: Kinderkriminalität, Sex und Erotik, Religion oder Mundartverbrechen, Sport, Nahrung und Gasttätten, überall lassen sich Übeltäter finden. "Nur Quark macht dich stark" geschmiert auf "You’re my heart you’re my soul" oder Karl und Kärlchen mit "Ich muss Pipi, Papa" geträllert von unschuldigen Kindern "erschüttern noch nach Jahren". Die Kleinen können nichts dafür, im Gegensatz zu den "Drei Besoffskis", deren flott hingeschmettertes "Bumsen ist schön, ... ja ich könnt schon wieder", an Offensichtlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt.

Von Hamburg bis nach Tirol im Einsatz


Wer hätte gedacht, als am 12 .Mai 1999 ein erster Informationsabend mit "Hörproben beschlagnahmter Tonträger" auf der "Kegelbahn des Grauens" unweit der Freiburger Einsatzzentrale stattfand, dass die Geschmackspolizei in den kommenden Jahren im ganzen deutschsprachigen Raum von Hamburg bis nach Tirol ihre Fahndungserfolge präsentieren würde.

Und das ohne jegliche Unterstützung, sei es von kommunaler oder staatlicher Seite. Noch diesen Monat weilte das Duo in der Hauptstadt, um auf der dortigen Volksbühne in Sachen "Propaganda" Aufklärungsarbeit zu leisten, bewaffnet nur mit Tonträgerabpielgeräten und einem Bildwerfer namens Epirex 2.

Dass gerade im Zeitalter von unendlicher Verfügbarkeit auch vor scheinbar unzeitgemäßen Liedverbrechen gewarnt werden muss, zeigt ein Stück aus dem Kulturkreis von GeschPOM Schatzner, gesungen vom Original Kurt Dehn: "En echter Pfälzer racht ken Hasch, unser Stoff kommt us der Flasch."

Autor: Joachim Schneider