Das Kind als Erbauer seiner eigenen Intelligenz

Martin Schwickert

Von Martin Schwickert

Do, 06. September 2018

Kino

DOKU: Der französische Filmemacher Alexandre Mourot beobachtet in "Das Prinzip Montessori" die Kleinen auf Augenhöhe.

"Sie will runter", hört man die erwachsene Stimme aus dem Off mit Bestimmtheit sagen. Aber wenn man sich das dreijährige Mädchen auf der Schaukel genau anschaut, sieht es zwar ein wenig unentschlossen, aber keineswegs unglücklich mit seiner leicht über dem Boden schwebenden Lage aus. Diese kleine, alltägliche Beobachtung nimmt der Vater des Kindes, der französische Filmemacher Alexandre Mourot, zum Ausgangspunkt seiner Doku "Das Prinzip Montessori".

Im väterlichen Liebesrausch hat er begonnen, dem Töchterchen genau zuzuschauen – und festgestellt, dass es ohne elterliche Eingriffe eine ungeheure Vielfalt von selbstständigen Lernprozessen durchläuft. Von der persönlichen Erfahrung weitet Mourot den Blick und begibt sich für zwei Jahre in das älteste Montessori-Kinderhaus Frankreichs, um in einer Gruppe von Drei- bis Sechsjährigen das zu tun, was am wichtigsten in diesem Pädagogik-Modell ist: genau zu beobachten.

Zu sehen, wie die Kinder in der Gruppe sich ihre Aufgaben suchen und an ihnen arbeiten, ist nicht nur eine putzige, sondern vor allem eine äußerst spannende Angelegenheit. Ausgangspunkt sind alltägliche Tätigkeiten vom Wassergläser befüllen bis zum Kerzen anzünden, die die Kinder mit hoher Konzentration und Ausdauer üben. Maria Montessori verstand das Kind "als Erbauer seiner eigenen Intelligenz". Gerade in der Phase zwischen drei und sechs Jahren verfügen Kinder über jenen "absorbierenden Geist", mit dessen Hilfe sie sich einem eigenen Rhythmus folgend die Welt aneignen. Aufgabe der Erzieher ist es dabei, Lernbedürfnisse des Kindes zu erkennen und ohne unnötige Hilfestellung zu fördern. Hierzu gibt es spezielle sensorische Materialien und Spielzeuge, die darauf ausgerichtet sind, die Aufmerksamkeit des Kindes zu wecken – und aufrechtzuerhalten.

Letzteres dürfte im digitalen Zeitalter besonders wichtig sein, wo selbst die Kleinsten einem audiovisuellen Mahlstrom ausgesetzt sind. Mourot beobachtet die Kinder konsequent auf Augenhöhe und erschafft einen dokumentarischen Abenteuerfilm über die Lust des Lernens, die jedem Kind innewohnt, ihm aber allzu oft durch die mangelnde Flexibilität der Erwachsenenwelt ausgetrieben wird. (Läuft in Freiburg, ohne Alterslimit)