Klangschönheit und Intensität

Georg Rudiger

Von Georg Rudiger

Mi, 29. November 2017

Klassik

Vadim Gluzman, Johannes Moser und Yevgeny Sudbin beim Albert-Konzert in der Musikhochschule.

Die ersten Sekunden einer Begegnung sind oft entscheidend. Empfindet man Nähe oder Distanz, Einklang oder Disharmonie? Auch beim Albert-Konzert im großen Saal der Freiburger Musikhochschule brauchen Vadim Gluzman (Violine), Johannes Moser (Violoncello) und Yevgeny Sudbin (Klavier) nur wenige Takte, um das Publikum für sich einzunehmen. Die Akkorde tupft der Pianist in feinstem Legato dahin, ehe die in Terzen geführten Streicher die Melodie ohne jeden Akzent als eine einzige, große Linie gestalten.

Klangschönheit und Intensität prägen auch die Interpretation des Klaviertrios in fis-Moll von Arno Babahjanian. Das schön altmodische Spiel des israelischen Geigers Vadim Gluzman erinnert mit seinem intensiven, schnellen Vibrato, den weichen Phrasierungen und nicht zuletzt der technischen Perfektion an große Geiger der Vergangenheit wie David Oistrach. Manche Spitzentöne intoniert der Geiger eine Spur zu hoch, um die Farbe aufzuhellen. Johannes Moser und Yevgeny Sudbin sind Partner auf Augenhöhe, die neben ihrer solistischen Brillanz auch eine hohe Klangsensibilität mitbringen. Violine und Violoncello verschmelzen in den vielen Unisoni im Trio des armenischen Komponisten zu einem Instrument. Das Andante wird zum schwebenden Idyll. Im stampfenden Finale im 5/8-Takt wird der (Tanz-)Boden wieder erreicht, ehe nach einer Generalpause das melancholische Eröffnungsthema nochmals wie eine Erinnerung erklingt.

Das Meisterstück gelingt dem Ensemble nach der Pause mit Tschaikowskys gewaltigem Klaviertrio in a-Moll op. 50. Hier trifft musikantische Spielfreude auf großen symphonischen Atem. Der schmerzvolle, hochexpressive Gesang durchzieht das dem verstorbenen Freund und Förderer Nikolai Rubinstein gewidmete Werk. Im gewaltigen Variationssatz zeigen sich die Drei als Charakterisierungskünstler. In der fünften Variation lässt Yevgeny Sudbin zur Bordunquinte der Streicher den Flügel im Diskant wie eine Celesta klingen, die sechste wird zu einem eleganten Walzer, die siebte zu einer streng gemeißelten Fuge.

Im Finale lassen die brillanten Musiker die Sechzehntelläufe wie Fieberwellen anrollen, ehe ein gefasster Trauermarsch die Emotionen bündelt. Frenetischer Applaus für diese leidenschaftliche Mount-Everest-Besteigung. Der Abstieg gelingt mit dem als Zugabe gespielten Tango aus Alfred Schnittkes Oper "Leben mit einem Idioten" mühelos und mit einem Augenzwinkern.