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05. März 2009

Ein Triumph in der Heimat

Freiburgs Philharmoniker und Wolfgang Emanuel Schmidt.

Geschrieben ist es für Mstislaw Rostropowitsch, den Cellovirtuosen des 20. Jahrhunderts. Das sagt eigentlich alles. Jetzt erklang Dmitri Schostakowitschs Cellokonzert Nr. 1 (von 1959) beim Sinfoniekonzert der Freiburger Philharmoniker. Mit einem gebürtigen Freiburger als Solisten. Wolfgang Emanuel Schmidt, Jahrgang 1971, in Lübeck und New York geschult und Professor in Dresden, spielte mit einer Intensität, die es mit der des russischen Kollegen aufnehmen konnte. Überdies immer so, dass dabei Tonschönheit nie zur Nebensache wurde.

Besonders expressiv wirkte die Cellokultur des langsamen Satzes – ein ausdrucksstarker Gesang. Manchmal taucht das Soloinstrument ins Orchester ein – bei einer Musik, die bisweilen sinnfällig zu machen vermag, dass Lachen und Weinen verschwistert sind. Überhaupt die Interaktion mit dem Orchester – hervorragend! Ein Sonderlob gebührt der fabelhaften Hornistin Isabel Forster. Die Cellokadenz hob so ätherisch an, als entstamme sie einer anderen Welt. Eine Musik, die in die Seele blickt, ihr sensibel auf den Grund geht. Kadenzstrukturen, die auch dazu angetan sind, das Soloinstrument selbst zum Orchester werden zu lassen. Schmidts phänomenaler Auftritt in der Heimat geriet beinah zum Triumph.

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Das Orchester applaudiert dem Dirigenten Jonathan Darlington

Mit "Don Quixote", diesen von Richard Strauss vorgelegten "Fantastischen Variationen über ein Thema ritterlichen Charakters", ging der Siegeszug weiter. Bei jener Tondichtung, die in diesem Konzert die Stelle der Sinfonie vertrat. Bei einer Musik, die mit Augenzwinkern komponiert ist, wo das Orchester schwelgen durfte, wo sich der große Apparat auch mal auf kammermusikalisches Terrain begibt. Eindrucksvoll das alles. Die Philharmoniker waren in Hochform. Und die Solisten: Schmidt, der per Cello einen sehr ritterlichen Ritter ins Bild setzte, dazu ein von Volker Jacobsens Bratsche bündig umrissener Sancho Pansa.

Dass es ein so starker Abend wurde, ist nicht zuletzt auch dem Dirigenten Jonathan Darlington zu verdanken, der nun erstmals in Freiburg auftrat. In der elektrisierenden, umsichtigen und bis zur Haarspitze engagierten Deutung von Benjamin Brittens "Gloriana"-Suite und noch dazu im Dirigierstil erinnert der englische Chef der Duisburger Philharmoniker an seinen schottischen Kollegen Donald Runnicles, der ja in seiner Zeit als Freiburger Generalmusikdirektor auch Britten exponiert hatte. Mustergültig, wie Darlington Brittens Musik von 1953/54 zwischen Feuer, Feierlichkeit, Intimität und Historismus auf den Punkt brachte. Ein Pulsieren und Vibrieren vom ersten Takt an. Offenkundig stimmte die Chemie: Nach der Britten-Exegese applaudierte sogar das Orchester seinem Dirigenten, mit dem man sich bald ein Wiederhören wünscht.

Autor: Johannes Adam