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27. März 2010
KRIMINALROMANE: Wenn der Arzt kommt
"Schneller als der Tod": Josh Bazells rasantes Debüt.
Mehr Hype geht kaum. Etliche namhafte Kollegen lobten Josh Bazells Roman "Schneller als der Tod" über den grünen Klee, selten wurde ein Debüt so gepusht. Originell ist, dass Bazell den Krankenhausalltag kräftig auf die Schippe nimmt in einer Tragikomödie um einen Arzt, der ein Mafiakiller war. Darauf muss man erst mal kommen. Und weil die Geschichte so abstrus ist , hat der Autor allerhand Raffinessen reingepackt.
"Schneller als der Tod" beginnt wie ein Arztroman. Na ja, wenn James Bond Arzt wäre. Auf dem Weg zur Arbeit einen verlotterten Dieb unschädlich machen und dann ein Flirt mit der hübschen Arzneimittelvertreterin. Immerhin springen für den Gott in Blau ein paar Aufputschpillen heraus. Fußnote: In den USA sind die Arztkittel blau.
In der Tat gibt es Fußnoten, die kommentieren oder mit medizinischem Fachwissen angeben. Ein weiterer postmoderner Kniff ist die Anrede des Lesers: "Kennen Sie das Gefühl, nicht genau zu wissen, ob man sie anbaggert und ob Sie ein echtes menschliches Wesen vor sich haben? Ich liebe das."
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Wenn man so will, verrät hier Bazell seine Strategie: Literarische Anmache, sprich: groteske Fiktion inklusive einem eloquenten Helden – ein entfesselter Marlowe – auf der einen und halbwegs authentischer Klinikalltag auf der anderen. Man muss ihn nicht mögen, den Ich-Erzähler, der eine haarsträubende, zu Teilen brutale, fast immer lustige Geschichte zum Besten gibt, doch seinem Sog kann man sich kaum entziehen.
Dass er in einem Zeugenschutzprogramm von New Jersey nach New York verfrachtet wurde, ist natürlich höchst unrealistisch, passt aber in dieses Thrillermärchen, in dem ein Killer als Arzt für seine Vergehen büßt. Denn es kommt, wie es kommen muss: Eines Tages liegt einer unheilbar auf dem Krankenbett, der "Pietro Bärentatze" von früher kennt, der natürlich sagt: "Wenn ich draufgehe, dann du auch."
Das ist der eine Strang der Geschichte, den ekligen Mafia-Mobster im Catholic Hospital von Manhattan am Leben zu halten. Der andere: wie aus Pietro Brnwa, einem Nachfahren polnischer Juden, ein geläuterter Hitman wurde – samt tragischer Liebesgeschichte und einer Exkursion nach Auschwitz. Bei Nazis allerdings hört der Spaß auf.
Josh Bazell hat einen Abschluss in Schriftstellerei, Medizin studiert und eine Menge Talent: Diesen lakonisch sarkastischen Ton muss man erst einmal hinkriegen. Mal nimmt er eine Metapher sehr wörtlich ("wie ein Fisch im Haifischbecken"), mal philosophiert er über Moral. Als Ganzes wirkt "Schneller als der Tot" fast schon zu perfekt. Kein Wunder, dass die Filmrechte schon verkauft sind.
– Josh Bazell: Schneller als der Tod. Deutsch von Malte Krutzsch. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2010. 302 Seiten, 18,95 Euro.
Autor: Joachim Schneider
