KRITIK IN KÜRZE

Irina Hirschle

Von Irina Hirschle

Di, 04. September 2018

Klassik

Spätsommernachtstraum: Zwölf Bolschoi-Geiger

Die Besetzung ist wohl einmalig – die Art der Darbietung auch: Seit 1956 gibt es die "Zwölf Geiger des Bolschoi-Theaters" – ihr Auftritt in der Freiburger Herz-Jesu-Kirche stand unter dem Motto "Spätsommernachtstraum". Die Zwölf Geigensolisten des Moskauer Opernhauses stellten am letzten Tag ihrer Europa-Tournee ihre Virtuosität durch überragende Technik und facettenreiches Spiel unter Beweis und füllten den Raum mit Tönen und Klängen, die man von einem vielschichtig besetzten Orchester erwartet. Bemerkenswert ist der Kontrapunkt der Arrangements für diese Besetzung. Den fehlenden Bass übernimmt unterstützend das Klavier. Im Programm waren populäre Werke der klassischen Musik – von Frühromantik bis zur Moderne: Lieder von Schubert, Dvorák, Rachmaninow und Tschaikowsky sowie Stücke von Rimski-Korsakow, Heuberger und Smetana. Das Programm lebt so von seinen Kontrasten – hier Schuberts "Ave Maria", da Smetanas feurige "Polka" aus der "Verkauften Braut". Der schwindelerregende "Hummelflug" von Rimski-Korsakow beschwört in dem Arrangement für zwölf Geigen einen ganzen Hummelschwarm. Wohl ein Höhepunkt: das liebevoll-melancholische "Chanson Élégiaque" von Tschaikowsky und die tieftraurige, mit Liebe und Seelenschmerz erfüllte "Vocalise" von Rachmaninow. Deren Ende sorgte für ein Moment der Stille, bevor das Publikum in begeisterten Applaus ausbrach.