KRITIK IN KÜRZE

Joachim Schneider

Von Joachim Schneider

Fr, 14. Dezember 2018

Rock & Pop

Der Nino aus Wien in der Mensa Bar Freiburg

Da steht der kleine schmächtige Mann mit seiner kleinen Schrammelgitarre ein wenig verbogen, hübsch unpassend angezogen aus dem Altkleidersack und er scheint zu verschwinden in diesen manchmal monumentalen Liedern, die wie Klassiker klingen. Wie Dylan (womit er kokettiert), Kinks (die er zitiert), Beatles (was er nicht verrät). Manche Stücke sind tatsächlich große Entwürfe, manche eher hingerotzte Gassenhauer. Nach zahlreichen Auftritten in Freiburg vor allem im Swamp hat es den Nino aus Wien in die Mensa-Bar verschlagen, wo alles ein wenig größer ist: der Sound, die Bühne, der einigermaßen gefüllte Saal. "Unentschieden in Ried" ist so ein unglaubliches Lied, das an den Himmel klopft, dabei kritisiert es "nur" das fußballerische Niveau von Rapid (Wien). Die großartige, vielseitige Band spielt es etwas ruppiger als auf dem neuen Album, das schlicht "Der Nino aus Wien" betitelt ist. "Neunjähriges Bandjubiläum und zehnjähriges Plattenjubiläum", nölt der Nino charmant schlafwandlerisch, deswegen gibt es auch ein paar ältere Songs, einen davon spielt er fast immer: eines der besten Lieder über Kunst überhaupt. "Es geht immer ums Vollenden" kommt als altersweise, knapp zehnminütige Piano-Ballade. Der rätselhafte Lieder-Zauberer hat noch so viel zu erzählen, bevor er am Schluss nochmal das Tourmotto formuliert: "Simply have a wonderful christmas time".