Jüdische Schweiz

LESESTOFF: Objekte und ihre Geschichte

Andrea Silvia Végh

Von Andrea Silvia Végh

So, 02. September 2018

Schweiz

Jewish Switzerland – Jüdische Schweiz: Das zweisprachige Buch gibt anhand von fünfzig fotografierten Objekten Einblick in die jüdische Geschichte insbesondere der Schweiz. Die Direktorin des jüdischen Museums in Basel, Naomi Lubrich, und der Kulturwissenschaftler Caspar Battegay haben dazu kurze prägnante Texten geschrieben. Die meisten Werke sind im Basler Museum, dem einzigen jüdischen Museum der Schweiz zu betrachten. Sie kommen aus der jüdischen Glaubenswelt wie der Menoraring mit dem siebenarmigen Leuchter darauf, der 2001 in der ehemaligen Römerstadt Kaiseraugst gefunden wurde oder einer Thorarolle aus Kairo und dem Thoraschrein der Gemeinde Solothurn um 1900. Andere Dinge begleiteten den Alltag jüdischer Bürger wie eine bunte Salatschüssel aus Holz. Sie gehörte einem gemischtgläubige Ehepaar, einer Berner Jüdin und einem Agnostiker aus christlicher Familie. Der Flüchtlingskoffer aus dem Jahr 1938, den sein Besitzer bis zu seinem Tod in Basel 1968 aufbewahrt hat, erzählt von der Schweizer Flüchtlingspolitik des Bundesrats und seiner späten Entschuldigung 1995: "…dass wir mit unserer Politik gegenüber verfolgten Juden Schuld auf uns geladen haben." Auf der Schreibmaschine von Otto Frank aus den 1960er Jahren beantwortete der Vater von Anne und einzige Überlebende der Familie Tausende von Briefen aus der ganzen Welt als Reaktion auf das Tagebuch seiner jugendlichen Tochter im Amsterdamer Versteck vor den Nazimördern. Vom Fortschritt innerhalb der patriarchalen und ältesten der drei Eingottreligionen kündet der lauchgrün durchwobene Gebetsschal Tallit der bislang einzigen Rabbinerin im deutschsprachigen Raum Bea Wyler aus dem Aargau. Zum Schmunzeln verführt das Bergfoto des durch Tallitschal und Schtreimel, den Pelzhut, gekennzeichneten orthodoxen Juden auf Skiern, den betagten Vater des Fotografen Benyamin Reich. "Dazugehören" wollen alle, so haben die Basler und Zürcher Fussballfans sogar ihre Kippas, die Kopfbedeckungen männlicher Juden mit den Clubabzeichen des FCB und des FCZ geschmückt. Ein Buch, das Lesern ausschnittweise und von verschiedenen Gesichtspunkten aus Einblick in 3 200 Jahre jüdischer Geschichte insbesondere in der Schweiz vermittelt. Andrea Silvia Végh
Jüdische Schweiz, Christoph Merian Verlag, Basel 2018, deutsch/englisch ISBN 978-3-85616-847-6, SF 36.00/€ 34.00