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21. Juli 2010
Das Glück liegt im Gefrierschrank
Flucht aus New York: Hallgrímur Helgasons Roman "Zehn Tipps, das Morden zu beenden".
Warum müssen es immer "die Italiener" sein, die in Film und Fernsehen allgegenwärtig sind? So gut wie jede Volksgruppe hat eine Mafia aufzubieten. Kein Wunder, dass der in New York gestrandete Tomislav Bosksic, Toxic genannt, etwas verschnupft auf die "Taliener" reagiert, die den ganzen medialen Ruhm abschöpfen. Toxic gehört zu einem Clan kroatischer Mafiosi und ist Auftragskiller. Moralisch ist der Mann ein Desaster: "Es ist wie damals im Krieg. Ich töte Fremde. Ich empfinde nichts für sie. Sie sind nur ein weiterer Kopf."
Natürlich kann es nicht immer so weitergehen, auch die beste Serie (66 Aufträge) geht einmal zu Ende, wie jeder Fußballfan weiß. Die "Balkanbestie" begeht den Fehler, den falschen Mann umzubringen (vom moralischen Standpunkt ist es natürlich immer der Falsche ...) und da er auf der Flucht noch einen Südstaatenprediger namens Father Friendly beseitigt, muss er auch gleich noch die Identität wechseln. Ist auch besser so, denn Toxic hat Killer und Polizei an den Hacken. Toxics Fluchtpunkt ist Island, und hier im Gefrierschrank hat er mehr Glück als Verstand, er strandet in einer christlichen Familie und gibt sein Gastspiel als Fernsehprediger. Am Ende steht die Läuterung.
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Das Halleluja, sollte man sich aber verbeißen, denn Hallgrímur Helgasons vierter ins Deutsche übersetzte Roman ist von Kitsch oder Pathos so weit entfernt wie Reykjavík vom Äquator. Vielmehr könnte man dem Autor unterstellen, dass er auf eine Tarantino-Verfilmung abzielt, denn das Buch hat alles für einen zünftigen Kultfilm: Liebe, Action, Drama, Humor, eine ungewöhnliche Landschaft und einen verpeilten Hauptdarsteller, der eigentlich nur ein bisschen Frieden will und Grand Prix glotzen ... Aber die eine Vergangenheit (Jugoslawienkrieg) lässt ihn nicht los, die andere (New York) holt ihn ein und immer kommt es anders.
So soll es sein, von einem spannenden Roman verlangt man auch nichts anderes. Die Räuberpistole ist auch dank der feinen Sprache und den vielen, vielen schlauen Sätzen eine Geheimwaffe für jeden langweiligen Urlaub.
– Hallgrímur Helgason: Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen. Roman. Deutsch von Kristof Magnusson. Tropen Verlag bei Klett Cotta, Stuttgart 2010. 271 Seiten, 19,90 Euro.
Autor: Pascal Cames
