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07. November 2009
KRIMINALROMANE: Tatort Bodensee
In Parallelwelten: Erich Schütz und Harri Nykänen
Bei "Judengold" von Erich Schütz und Harri Nykänens "Ariel. Mord vor Jom Kippur" geht es im weitesten Sinne um Terrorismus, die Angst davor und wie man damit umgeht.
"ARIEL"
Unbekannte Parallelwelten und Terrorismus. Was ist real und was findet im Kopf statt? Was man nicht kennt, macht Angst. (Rassistische) Ressentiments sind schnell bei der Hand, vor allem wenn es um arabische Einwanderer geht. Das ist in Finnland nicht anders als in Deutschland. Ein kluges Beispiel dafür, wie Vernunft und ein wacher Verstand vor Vorurteilen schützt, ist Harri Nykänens Kriminalroman "Ariel. Mord vor Jom Kippur". In seinem Heimatland zählt der ehemalige Polizeireporter zu den erfolgreichsten Autoren des Genres. Hierzulande sind vier Übersetzungen seiner Raid-Romane erhältlich.
Nach dem "Gentleman-Killer" nun eine Art Bilderbuchermittler: Der jüdische Kommissar Ariel Kafka agiert besonnen und klug, eine grüblerische Seite und Humor hat er auch noch. So viel Gutes wäre kaum auszuhalten, würde nicht Ariel selber die Geschichte ungemein trocken und lakonisch erzählen. Die spielt in Helsinki, beginnt mit zwei toten Arabern unter einer Eisenbahnbrücke und endet mit einem Showdown an Jom Kippur, dem hochheiligen, jährlichen jüdischen Versöhnungstag. Womöglich hat der Mossad seine Fühler ausgestreckt, zumal ein inoffizieller Besuch des israelischen Außenministers im Raum steht. Zu allem Übel wurde Ariels Bruder Eli, ein Anwalt, zum Sicherheitsbeauftragten der jüdischen Gemeinde ernannt, und ein alter, nach Israel ausgewanderter Jugendfreund des Kommissars könnte ein Agent sein. Klingt konstruiert, wirkt aber nicht so, denn Nykänen setzt das Mosaik zu einem stimmigen Bild zusammen.
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"JUDENGOLD"
Von so einer Perfektion ist Erich Schütz’ "Judengold" weit entfernt. Das Thema ist brisant, gut recherchiert und reicht bis in die Nazizeit: Der Zugschaffner Josef Stehle – unterwegs zwischen Stuttgart und Schaffhausen – schafft Kapital verfolgter Juden in die Schweiz, um sich selbst zu bereichern. Komplize ist ein Bankdirektor in Schaffhausen. Der amerikanische Geheimdienst kommt Ende des 2. Weltkrieges den Transaktionen auf die Spur und macht mit den Betrügern gemeinsame Sache.
Gut 60 Jahre später werden zwei Jungs erwischt, wie sie Gold und Bares über die deutsch-schweizerische Grenze schmuggeln wollen. Die beiden sind die Enkel des Alt-Nazi Stehle. Der Fernseh-Journalist Leon Dold beginnt zu recherchieren, während die Polizei in Person des braven aber resignierten Ex-Alkoholikers Heinz Sibold die großen Zusammenhänge erst einmal ignoriert. Die sind ungeheuerlich, zumal sich nach dem Krieg ein Nato-Geheimbund formiert hat, der durch seine kriminellen Machenschaften großen Einfluss auf die Politik hat. Starker Tobak – wer auf Verschwörungtheorien steht, liegt hier richtig. Und wer sich mit viel Bodensee-Lokalkolorit und einem gefühligen Journalisten identifizieren kann, statt mit einer knackig erzählten Story, der kann mit "Judengold" etwas anfangen.
– Harri Nykänen: Ariel. Mord vor Jom Kippur. Deutsch von Regine Pirschel. Grafit, Dortmund 2009. 282 Seiten, 17,90 Euro.
– Erich Schütz: Judengold. Gmeiner Verlag, Messkirch 2009. 425 Seiten, 11,90 Euro.
Autor: Joachim Schneider
