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21. Mai 2010
Nicht immer geht es gut aus
Szenischer Vortrag mit Musik in Stadtbibliothek in Kandern.
Von vergeblicher Liebe und ihrem alles verzehrenden Feuer war am Mittwochabend in der Stadtbibliothek Kandern die Rede, von den Zumutungen des Schicksals, von tragischen Ereignissen, von Blut und Tod. Dieter Bitterli, Schauspieler und Leiter des Riedlinger Theaters im Hof, las Balladen der deutschen Lyrik, wortmächtige und sprachgewaltige Werke der Dichtkunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Untermalt wurde der szenische Vortrag von Harald Kimmig, der auf seiner Violine akustische Stimmungsbilder malte.
Dieter Bitterli hatte ein schönes und stimmiges Programm zusammengestellt, das von Theodor Fontane bis Hilde Domin reichte und vom Dichterfürsten Goethe bis zum Rockpoeten Rio Reiser. Die Idee zu diesem Abend, der gemeinsam von den Fördervereinen der Stadtbücherei Kandern und des Riedlinger Theaters im Hof veranstaltet wurde, sei spontan beim Teetrinken entstanden, verriet Herbert Uhl, Vorsitzender des Stadtbücherei-Vereins, den Gästen. "Du könntest auch mal was für uns machen", habe er zu Bitterli gesagt, erzählte Uhl. Und Bitterli habe spontan geantwortet: "Ich könnte Balladen machen." Dabei ist es geblieben, der Geiger Harald Kimmig wurde als Mitstreiter gewonnen, und Bitterli hat Werke ausgewählt, die zum Teil zum wohlbekannten Kanon der Balladendichtung gehören, zu einem größeren Teil aber auch Schätze ausgegraben, die nicht unbedingt jeder Zuhörer schon kannte.
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Mit sanftem und doch erregungsschwangerem Geigenspiel eröffnete Kimmig den Abend vor den annähernd 70 Zuhörerinnen und Zuhörern, die zwischen den Bücherregalen Platz genommen hatten. Theodor Fontanes "Archibald Douglas" war das erste Werk, das Dieter Bitterli mit dramatischer Stimme zu dieser Untermalung vortrug, es beschrieb den tragischen Konflikt zwischen Douglas und dem König. Hier ging die Geschichte noch gut aus. Längst nicht bei allen Balladen war das der Fall.
So etwa bei der Bacchantin, die in Conrad Ferdinand Meyers Gedicht "Pentheus" ihrem Gott entrissen werden sollte. Oder den drei Reitern nach verlorener Schlacht in Nikolaus Lenaus Ballade, die trotz der Tragik des Sterbens zu einem heiteren Schluss kommt, als die Geier die drei Reiter untereinander aufteilen. Auch Herrn Ulrichs "Kampf mit dem Schicksal" von Ricarda Huch endet grausam. "Wehr Dich, Herr Ulrich", ruft ihm das Schicksal zu, und er schlägt mit dem Schwert um sich, tötet dabei versehentlich seine Frau, das Liebste, was er hat, und daraufhin auch sich selbst. Mit bitterem Hohnlachen trug Bitterli die letzte Zeile vor, wenn das Schicksal am Ende nochmal ruft: "Wehr dich, Herr Ulrich!" Theodor Fontanes "Brück’ am Tay", Hilde Domins Ballade an den toten Geliebten oder Clemens Brentanos "Lore Lay" gehörten zu dem Programm, bevor es mit Ingeborg Bachmann "Das Spiel ist aus" dem Ende zu ging. Da freilich liefen Bitterli und Kimmig nochmal zu großer Kraft auf, als sie mit Emphase Rio Reisers "Wann?" zu Gehör brachten und dem Balladenabend einen donnernden Schlusspunkt setzten: "Du sagst, du willst die Welt nicht ändern, und ich frag mich, wie machst du das nur?"
Autor: tm
