Deiniger/Ritzer

SACHBUCH: Machtmensch mit wenig Empathie

Patrick Guyton

Von Patrick Guyton

Fr, 31. August 2018

Literatur & Vorträge

Wenn politische Journalisten Bücher über die Personen ihrer Berichterstattung schreiben, dann ist Vorsicht angesagt. Oft werden Teile aus schon erschienenen Beiträgen als Versatzstücke verwendet und möglichst elegant aneinander montiert. Genau so ist es nicht bei der Biographie über Markus Söder "Politik und Provokation". Geschrieben haben sie Roman Deininger und Uwe Ritzer, Journalisten der Süddeutschen Zeitung. Alles, was da über Söder steht, ist so noch nicht erschienen.

Wer sich für den bayerischen Ministerpräsidenten interessiert, sein Leben, sein Machtkalkül und das, was er von sich offenbart, liest darin wie in einer großen Fundgrube. Söder ist ein Ego-Mann mit unbändigem Willen und Kraft. Von Mitmenschen in seiner Jugend und als junger Erwachsener wird er als Person geschildert, die sich als Solitär durchboxt. Mit wenig Empathie, sagen manche. Er erscheint als einer, der über die CSU von Anfang an ganz an die Spitze wollte und das auch geschafft hat. Ist so viel Recherche in Söders früherem Umfeld legitim? Durchaus, denn er selbst breitet seine Version seiner Biographie auch intensiv aus. Herausgekommen sind die (Innen-)Leben des Markus Söder. Und Blicke in die CSU intern, die höchsten Machtkreise, die wichtigen Spieler der bayerischen Noch-Mehrheitspartei und ihrer episch erscheinenden Macht- und Rangkämpfe. "Wofür arbeitet er jetzt?", fragen die Autoren am Ende und bezweifeln damit, dass für ihn konkrete Politik besonders wichtig ist. Kurz vor der Landtagswahl beherrscht Söder sicher eine andere Frage: Wie schaffe ich es, an der Macht zu bleiben?

Roman Deiniger/Uwe Ritzer: Markus Söder – Politik und Provokation. Droemer, München 2018. 384 Seiten, 19,99 Euro.