Mit Malmappe an den Fjord

Annette Hoffmann

Von Annette Hoffmann

So, 09. Dezember 2018

Kunst

Der Sonntag Landschaftsausstellung im Augustinermuseum bebildert die "Faszination Norwegens".

Fjorde mit dramatischen Gebirgen und Gletscherzungen und tiefe Gewässer von unergründlichem Blau locken Touristen nach Norwegen. Schon die Maler des 19. Jahrhunderts profitierten von einem aufkommenden Tourismus und beförderten ihn mit Bildern, wie sie jetzt in Freiburg zu sehen sind.

Eine solche Ansicht würde wohl niemand ernsthaft als hyggelig ("gemütlich"/"nett") bezeichnen. Ein Abend am Strand, eine Gruppen von Menschen hat sich dort in der Nähe eines Bootes zusammengefunden. Links ist eine Felsküste zu erkennen und rechts begrenzt den Bildraum ein schroffer, senkrecht abfallender Klotz. Über allem lagert Dunkelheit. Der Mond wirkt grotesk und hat die Form eines lang gezogenen Schädels. 1843/44 ist das Bild Peder Balkes "Strand im Mondschein" entstanden, das nun in der Ausstellung "Faszination Norwegen. Landschaftsmalerei von der Romantik bis zur Moderne" in der Ausstellungshalle im Augustinermuseum zu sehen ist. Mitte des 19. Jahrhunderts mussten nordische Landschaften ein bisschen abweisend sein, erhaben und beeindruckend. Im Verlauf der Zeit hat sich unser Bild von Skandinavien radikal verändert. Heute steht es für ein entspanntes Lebensgefühl, irgendwie nett, gemütlich und für Kaffee zum Nachschenken.

Dass hyggelig zu Mitte des 19. Jahrhunderts den Weg aus dem Norwegischen ins Dänische fand, hat historische Gründe. Norwegen ist eine verspätete Nation. Über Jahrhunderte war es Teil einer Personalunion mit Dänemark, im Frieden von Kiel 1814 musste Dänemark das Land an Schweden abtreten. Kurzzeitig war es 1814 jedoch unabhängig und gab sich eine Verfassung. Die Ausstellung "Faszination Norwegen" blendet den geschichtlichen Hintergrund aus und konzentriert sich ganz auf die Landschaft. Das kann man machen, die Bilder hätten jedoch mehr zu erzählen, würde die Schau Fragen nach der Beziehung zwischen Landschaft und Nationalismus zumindest streifen wie auch nach der zwischen dem Interesse an der Archaik der Fjorde und Wasserfälle und dem des 19. Jahrhunderts an den nordischen Mythen.

Die Ausstellung wurde vom Museum Kunst der Westküste in Alkersum auf Föhr übernommen. Das Privatmuseum, das vom Unternehmer Frederik Paulsen gestiftet wurde – seine Familie stammt von der Insel – widmet sich der Nordseeküste Dänemarks, Deutschlands, der Niederlande und eben Norwegen. Der Schwerpunkt liegt auf den Jahren zwischen 1830 und 1930, doch auch die zeitgenössische Kunst wird nicht ausgeklammert. Zur Sammlung gehören Werke von Erich Heckel, Emil Nolde, Max Beckmann sowie Max Liebermann. Und eben der Norwegen-Maler Johan Christian Dahl, Christian Morgenstern, Franz Wilhelm Schiertz und Peder Balke.

Anheimelnder Rauch

Mit Johan Christian Dahl, der von 1788 bis 1857 lebte, fing die Norwegenfaszination der Maler überhaupt an. Die besondere politische Situation brachte es mit sich, dass, wer Malerei studieren wollte, ins Ausland gehen musste. Dahl zog es nach Dresden, wo er mit Caspar David Friedrich zusammenwohnte. Aus dem kulturell anregenden Klima Dresdens zog es ihn immer wieder in seine Heimat und er bestärkte andere darin, Norwegen zu bereisen. In Freiburg ist von ihm nun eine Darstellung der "Fjell-Landschaft am Lusterfjord" aus dem Jahr 1849 zu sehen. Einzig anheimelnder Punkt ist der Rauch, der aus einer einfachen Holzhütte aufsteigt. Über ihr ragen schwarze Wälder, die in Berge und den Gletscher übergehen. Die Küste des Fjordes ist steil und es bleibt fraglich, wo die Herde Ziegen hier überhaupt Nahrung findet. Ein weiteres, zwei Jahre zuvor entstandenes Werk demonstriert noch stärker die Übermacht der Natur. Ein Schiffswrack ist an der Küste Finnmarks ein Opfer der Stürme geworden.

Man musste nicht gleich in derart existenzielle Situationen kommen, das Reisen in Norwegen war auch so beschwerlich. Zwar gab es zwischen Kopenhagen und Christiania, dem heutigen Oslo, eine Dampfschiffverbindung, doch dann ging es mit Pferden und Kutschen weiter. Die Maler berichten in ihren Briefen und Tagebuchnotizen davon, wie viele Ellen Strick sie mitnahmen, wie sie die Malmappen mit wasserdichten Überzügen schützten und welche Kutschen sich für die schlechten Wege eigneten. Die Romantik einer archaischen Landschaft war für sie mit vielen Beschwernissen erkauft.

Trotz des intensiven Naturerlebnisses entstanden die Landschaftsbilder später im Atelier. Man darf also davon ausgehen, dass nicht alles, was wir sehen, naturalistisch war. Einzig bei Frits Thaulow, der von 1847 bis 1906 lebte, zeigt sich etwas vom modernen, industrialisierten Norwegen: Auf einigen seiner Bilder erkennt man Fabrikgebäude.
Faszination Norwegen, Landschaftsmalerei von der Romantik bis zur Moderne. Augustinermuseum, Ausstellungshalle, Augustinerplatz, Freiburg, Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr, bis zum 17. März.