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30. April 2009

Mittel gegen die Sinnkrise

Wie viel Sponsoring können sich Unternehmen noch leisten? Ein Umfrage bei den Kulturveranstaltern in der Region.

  1. Das Freiburger Theater bewirnt sich als sichere Investition. Foto: Ingo Schneider

VW steigt als Sponsor der Berlinale aus, die Krupp-Stiftung hat die Kunstausstellung "Menschenbilder" in der Essener Villa Hügel abgesagt, Mercedes Benz die Unterstützung der Grimme-Preisverleihung. Ausstellungen, Inszenierungen, Konzerte sind oft nur dank privater Geldgeber möglich. Wie viel Sponsoring aber können sich Unternehmen in Zeiten der Krise leisten? Oder ist es gerade jetzt wichtig, mit der Kulturförderung ein positives Image zu pflegen? Kulturveranstalter in der Region erhalten bisher vor allem positive Signale aus der Wirtschaft.

Gut fürs Image
Von Krise ist im Festspielhaus Baden-Baden nichts zu merken. "Die Partner, die uns bisher treu zur Seite gestanden haben, sind weiter fest dabei", erklärt Geschäftsführer Michael Drautz. Das Festspielhaus wird unter anderem von Mercedes Benz, der Deutschen Bank und der Landesbank unterstützt. Zum Teil hätten die ihre Sponsorengelder gar erhöht, so Drautz. Außerdem konnte das Festspielhaus für die kommende Spielzeit einen neuen Sponsor gewinnen. Einige Branchen erwägten gerade jetzt neu ins Kultursponsoring einzusteigen, sagt der Geschäftsführer – Telekommunikation- und Pharmakonzerne etwa. Drautz kann sich vorstellen, dass in der Krise Unternehmen ihre Ausgaben für Imageförderung eher in die Kultur als etwa in den Sport investieren.

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Gesellschaftliche Aufgabe
Helmut Bürgel, Direktor des Lörracher Burghofs und des Stimmen-Festivals, nennt einen weiteren Grund, warum es um Kultursponsoring derzeit nicht schlecht bestellt sein muss: Die Wirtschaftskrise sei weniger eine Absatz- und Konjunkturkrise, als vielmehr eine "Sinn- und Strukturkrise", meint Bürgel. "Insofern sind Unternehmen, die schon in der Vergangenheit an hochwertigen Produkten, nachhaltigeren Kundenbeziehungen und engagierten Mitarbeitern interessiert waren, auch für die Bewältigung der Krise besser aufgestellt." Mit seinen Sponsoren – Badenova, der Sparkasse und dem Schweizer Einzelhandelsunternehmen Coop – sieht sich der Burghof gut unterstützt. Man arbeite mit Unternehmen zusammen, die sich einer gesellschaftlichen Aufgabe verpflichtet fühlten, so Bürgel. Sponsoring sei eben nicht nur "ein Kanal zur Beeinflussung von Kunden mit dem Ziel der Absatzförderung".

Standortfaktor
Marc Oßwald, Geschäftsführer des Freiburger Zeltmusikfestivals (ZMF), sieht das ein wenig anders: "Sponsoring ist ja kein Mäzenatentum", sagt er, sondern ein Werbemittel. Das ZMF hat die Erfahrung schon machen müssen, dass ein Sponsor abspringt: Mit dem angeschlagenen Freiburger Chiphersteller Micronas ist ein Förderer ausgestiegen. "Natürlich kann man als Unternehmen nicht Leute entlassen und auf der anderen Seite Geld für Kultur ausgeben", sagt Oßwald. "Aber wir haben einen Wert anzubieten und darum sehe ich auch nicht total schwarz". Badenova und Mercedes Benz haben ihre Verträge mit dem ZMF verlängert. Ein Unternehmen, das über die Krise hinausdenkt, wird auch jetzt an der Imagebildung arbeiten, ist Oßwald überzeugt. Natürlich müsse man den Unternehmen etwas bieten: Das Angebot des ZMF: "Ein Ur-Freiburger Festival für alle Altersgruppen und gesellschaftlichen Schichten, das die Lebensqualität in der Stadt fördert."

Ein attraktives Umfeld ist für Unternehmen ein wichtiger Faktor. Das wird auch dem Theater Freiburg bestätigt. Der kaufmännische Direktor Klaus Engert sieht optimistisch in die finanzielle Zukunft, "weil wir aus Gesprächen mit Unternehmern wissen, dass das Bewusstsein dafür da ist: Kultur als Standortfaktor ist wichtig". Konkret merkt er noch nichts von einer Krise des Kultursponsorings, Unternehmen seien zwar heute weniger für Projektsponsoring zu haben. Dass das Theater Stücke "nah am Puls der Zeit" präsentiere, werde von den Partnern in der Wirtschaft sehr geschätzt.

Auch am "sehr, sehr guten Image" des Freiburger Barockorchesters partizipierten Unternehmen gern, so Manager Hans-Georg Kaiser. Wichtig sei es, mit jedem Sponsor das richtige Paket zu schnüren: "Die Zusammenarbeit muss eine Win-win-Situation für beide Seiten werden." Ein neues Paket konnte das Museum für Neue Kunst in Freiburg mit einen neuen Partner schnüren – einer Rechtsanwaltskanzlei. Andere Sponsoren überprüften zwar ihre Beiträge, blieben aber dabei, erklärt Peter Hassel, Vorsitzender des Fördervereins. Weiteres positives Signal für die Zukunft im Museum: Der Förderverein verzeichnet Zuwachs. Auch das Vitra-Design-Museum in Weil am Rhein sieht sich nicht von der Krise bedroht: Im Sponsoring seien keine grundlegenden Veränderungen zu beobachten, teilt das Unternehmen mit. Leicht sei es nie gewesen, Sponsoren zu finden.

Und die Zukunft?
Und so wird es bleiben. "Natürlich gucken wir nicht ganz sorgenfrei in die Zukunft", sagt auch Michael Drautz. Auch Helmut Bürgel räumt ein, dass es schwieriger wird, die Sponsoring-Partnerschaften auf dem hohen Niveau der vergangenen Jahre zu halten. "Ich hoffe, dass wir nicht alle im Kleinkrämergeist ersticken, dass uns das freie und offene Denken nicht vor lauter Angst abhanden kommt."

Autor: Silke Kohlmann