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19. Juni 2010
Mundartwettbewerb "'S menschelet": Die Gewinnertexte
Schwerstarbeit für die Jury: 240 Muettersprochler haben sich am Mundartwettbewerb "S menschelet" beteiligt. Hier die vier prämierten Gedichte.
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Frank Huttelmeier, 67,Verwaltungsmitarbeiter i. R., wohnt in Freiburg. Foto: Rita Eggstein
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Karl-Heinz Debacher, 55,Schulleiter und Lehrer, wohnt in Rust. Foto: Rita Eggstein
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Doris Leyser, 47,Büroangestellte, wohnt in Denzlingen. Foto: Rita Eggstein
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Ralf Bernauer, 53, Zahnarzt, wohnt in Donaueschingen. Foto: Rita Eggstein
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Brauchtumspflege: Kinder in der Tracht von Kirnbach Foto: dpa/Rita Eggstein(7)
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Ulrike Derndinger, 33, Journalistin, wohnt in Lahr. Foto: Rita Eggstein
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Ludwig Hillenbrand, 71, Schulleiter i. R., wohnt in Lahr. Foto: Rita Eggstein
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Magnus Cordes Schmid, 43, Musiker, wohnt in Eisenbach. Foto: Rita Eggstein
Sieben. Und nochmals sieben. Das muss eine Jury notgedrungen tun, wenn sie einen literarischen Wettbewerb zu entscheiden hat. 240 Hobby-Mundartdichter und –schriftsteller sind dem Aufruf der Muettersproch-Gsellschaft, des Südwestrundfunks und der Badischen Zeitung gefolgt und haben sich mit Poesie und Prosa an einem neuen alemannischen Mundartwettbewerb beteiligt. "S menschelet", hieß das Motto. Nach ausgiebigem Sieben ("S isch ein Gschäft gsi", so Klaus Poppen, Senior der Muettersproch-Gesellschaft) sind sieben Gewinner ermittelt worden. Die vier prämierten Lyrik-Beiträge dokumentieren wir hier, die drei Gewinnertexte der Sparte Prosa drucken wir aus Platzgründen zur Sommerzeit in loser Folge im Kulturteil.
1. PREIS KARL-HEINZ DEBACHER
Hitemorge hesch zum Doktor mieße.
Fir mich isches Spotjohr gsi
Un d’Schtore henn sich in minem Kopf zum furtfliege troffe.
Ab de elfe hawi nit as uf d’Ühr gluegt.
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Un schwarzi Grabbe sin in minem Kopf umenander gfloge.
Am zwei hesch agruefe.
Fir mich isches Friejohr gsi
Un in minem Kopf het a Nachtigall
gsunge.
2. PREIS: LUDWIG HILLENBRAND
Selli vun sellem
said sellere:
Selleri wär gsund.
Selldrum
sodd seller
meh Selleri nemme,
sell wär nit vekehrt.
Bi sellem vun sellere
häb seller Selleri
sellemols gnutzt.
Awwer sellere ihr Selleri
schmeckt sellem besser
wiä seller Selleri
vun sellere.
Un sellere andere ihr Selleri -
seller bekummt sellenem
gar nit.
Sell isch´s halt im Läwe:
Es menschelt bi sellem,
es menschelt bi sellre. -
Un nit nur bim Sell´ri!
Amend
nutzt seller Selleri
sellenem nix meh.
Sellem andere awwer
hilft seller Selleri
vun sellere
fir des un fir sell -
ganz bsunders fir sell….
Gell....?
3. PREIS RALF BERNAUER
Wenn du de Chrischtbom
schmicke duesch,
du amel mol uf d’Bihni muesch,
no kräslischt uffi eins zwei drei,
scho stohsch du i de Sauerei.
Kischte, Käschte alti Schilder,
us Omas Schlofzimmer die Bilder,
ä Zoane un ä Oferohr,
än Botschamper, ä Wäschlavor,
ä aalt’s Aquarium ohni Fischli,
us de Fuffzger Johr ä Nieretischli,
alles duet do ummerugle,
bloß neanä findsch du Chrischtbomkugle.
Jetz hebt‘s di oafach nimmi zämme,
du fluechsch un giescht ihm alli Nämme,
än Wiehnachtsbom, frogsch dich, zu wa?
A sell Fescht gosch doch gar nit na.
Ä Fescht giets ersch i sellere Stund,
wenn wieder mol de Sperrmill kunnt!
Im März isch‘s endlich dann sowiet,
es isch mol wieder Sperrmillziet.
Der ganzi Krom kunnt jetz uf d‘Stroß,
jawoll do bisch du gnadelos.
Kum häsch du uusigrumt der Dreck,
scho kunnt de Nochber grennt um’s Eck.
No schwätzt der stundelang, der Maa,
stoht all so a dim Huufe dra,
hählinge wirft ä Aug er druf,
uf’s mol geht ihm ä Liechtli uf.
"Sell Dischli dät, ich ka’s nit fasse,
wie gmachet uf min Balkon basse!"
No seisch du: "Nemmet sie’s nu mit,
ich bruch der alti Plunder nit!"
Un wie der so des Dischli schnappt,
un mit ihm a si Huus zruckdappt,
fangsch langsam aa so z’iberlege,
s’Gwisse duet sich langsam rege:
"Sell ander isch jo Firlefanz,
aber sell Dischli war jo no glick ganz.
Ich hätt’s vielliecht, so mue mer’s senne,
im Schrebergärtli bruuche kenne.
Worum stell au ich Seckel bloß
der wunderscheeni Disch uf d’Stroß?"
Grad häsch de Ärger du vergesse,
ä Stindli noch em Obedesse,
trausch du kum no dine Ohre,
uf de Gass do duet’s rumore.
Finschteri Kärre fahret umme,
iberall hersch‘s rucke, rumme.
Ä ganzi Nacht häsch fascht ko Rueh,
kriegsch welleweag ko Äugli zue.
Endlich dann am Morge druff,
stohsch ganz g’räderet du uf,
gucksch vor’s Huus un kriegsch
en Schreck:
Radibutz isch alles weg.
Drei Woche später frogt di d’Frau:
"Dätsch du mir no i’s Städtli gau?
Du kenntischt no fir’s Esse morge
zwei drei Sächili mir b’sorge."
No gohscht ere halt die Sache kaufe,
un derno äweng iber de Flohmärt laufe.
Do haut’s di schier gar us de Socke:
Omas Eelbild – hundert Flocke!
De Mamme ihrini Bändelkappe,
koschtet glatt zwei greani Lappe,
mini aalte Playboyheftli,
mit allem machet die ä Gschäftli,
achtzeh Stutz, Mensch warsch du dumm,
koscht dei aalts Aquarium,
fir’s Wäschlavor no fufzeh Rubel!
Heideblitz, warsch du en Dubel!
Dezuena, es isch allerhand,
hät au din Nochber do en Stand,
Frech grinsend un genießerisch
verklepft der Strolch din Nieredisch!
Vu wege Balkon un Trara,
hundert Stutz will der jetz ha!
Neii Mebel kaufsch uf Bump,
wo vil meh wert isch dei aalt’s Glump
do druckt’s dir schier die Träne nus,
du langsch in Sack, holsch’s Scheckbuech rus,
kaufsch zähneknirschend Stuck fir Stuck
der alti Plunder wieder zruck.
Im Wieb dehoam derfsch sell
nit sage,
die gäng der jo mit Recht
an Krage.
Drum schliechsch du hoam
uf liese Sohle,
gosch i d‘Garasch de Hänger hole,
in Karre ghuckt bisch du ruckzuck
wieder uf dem Flohmärt zruck,
ladsch uff der koschtbar
Lumpekrom
un fiehrsch en schnellschtens
wieder hom,
verschoppescht alles i‘d Garasch,
dass d‘Frau nit mitkriegt die
Blamasch.
Un jetz muesch uf des Stindli
waarte,
wenn sie bi‘s Nochbers isch
z‘hogaarte.
No rummsch gschwind alles uf
de Speicher,
un bisch um ä Erfahrung reicher:
Manch Schatz isch om erscht
dann ebbs wert,
wenn ebber anderscht den
begehrt!
Drum gib dim Schatz als mol en
Schmatz,
denn au fir seller gilt der Satz!
SONDERPREIS: MAGNUS CORDES-SCHMID
Allemannä Kaffeesahnä
Gullemanä Hit
Fliegedätscher Zwätschgäquätscher
SuhundSepp machmit:
wellewäge gohtsdegege schwätz halt wie drs kunnt
Zapfeschtreich n Hureseich
KuttläMuttläMund
mule schwätze Kuttlä schnätzle schnufe sufschn Tropf?
händle handle wetsch abandle hosch no Holz imSchopf?
etzafangä Luft usgangä etzafange Hit
Fliegedätscher Zwätschgä.......... .. .
Sepp machmit:
wellewäge gohts. ...... ... ......wieshaltkunnt
Zapfeschtreich.......... .... Kuttlä…. Mund
Etzafange
GEWINNER PROSA
"Soll’s Land die Steuer-CD kaufe oder nite", lautet die Frage in Frank Huttelmeiers erstplatzierter Geschichte "Steuersünder". Doris Leysers "Ä Gschichdli vum Mergt" (2. Platz) ist eine Hommage an den Freiburger Münstermarkt und Ulrike Derndingers "D’Mohnebluemefrau" (3. Platz) ist ein Krankenzimmerdrama.
Autor: hup


