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25. Juli 2009

Mythos und Beziehungskiste

Susanne Franz’ "Eva oder die Freiheit der Fische": Sommertheater im Freiburger Wentzingerhaus.

Kein Zweifel, diese Eva ist die schönste – der Romanik. Die grazil schlängelnde Skulptur des Meisters Gislebertus aus Autun hat nicht nur Sinnlichkeit im Blick, auch Entschiedenheit und Selbstbewusstsein. Die viel gescholtene Sünderin konnte Susanne Franz, freie Dramaturgin und Regisseurin aus Freiburg, in diesem Relief nicht erblicken. Aus der Begegnung erwuchs ein Stück: ein Einakter zunächst, mit dem die Autorin gleich zwei Preise einheimste: 2008 den Paula- Rombach- Literaturpreis und im Frühjahr den des Zürcher Damendramenlabors. Nun ist es zum Zweiakter " Eva oder die Freiheit der Fische"geworden, den Franz an ihrem Lieblingsspielort, dem Innenhof des Wentzingerhauses am Münsterplatz, jetzt uraufgeführt hat.

Fürwahr ein lauschiges Plätzchen. Zwischen den famosen Ebneter Gartenskulpturen, Wentzingers "Jahreszeiten", ist dieses burlesk-besinnliche Sommertheater gut aufgehoben. Frage an Eva: Was wäre, wenn sie in den Apfel gebissen hätte, nur um aus dem verteufelt bequemen Pferch Eden auszubrechen, endlich durchzustarten ins wahre, selbstbestimmte Leben? Und was, wenn sie und ihr einstiger Liebster sich heute wieder träfen, nach jahrtausendelanger Erfahrung mit der postparadiesischen Praxis ? Susanne Franz hat dieses Treffen auf die Bretter verlegt, welche bekanntlich die Welt bedeuten: Eva, eine arbeitslose Polarforscherin, putzt im Theater. Er, Saisonschauspieler, müht sich ausgerechnet mit Peter Hacks’ Version von Aristophanes Komödie "Die Vögel". Wir erinnern uns des sprichwörtlichen "Wolkenkuckucksheims".

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Dieses scheint auch des Mannes bevorzugter Aufenthalt. Per Handy hat er sich schon beim erbosten Weltenlenker entschuldigt, träumt noch immer den paradiesischen Wonnen, der großen Liebe zur einzigen Eva-Julia hinterher und hat, beim zweiten Treffen, gerade eine Frust-Ehe hinter sich. Sie dagegen hat ihre Lust an der frei gewählten Freiheit nicht verloren. Und beim zweiten gemeinsamen Apfelbiss vermag sie ihren Adam nun auch tatsächlich zu verführen: zur Lust am selbstverantwortlichen Leben. Das klingt nach frauenbewegter froher Botschaft, aber auf Polarisierung sei sie nicht aus, sagt die Autorin. Ihr manchmal reichlich kunterbuntes Patchwork aus Mythos, Theater und Beziehungskiste präsentiert sie mit zuversichtlichem Augenzwinkern. Immerhin ein Fetzen vom Paradies sollte sich doch (gemeinsam) noch erhaschen lassen.

Und wirklich schenkt der Himmel den Daseinsoffenen die ersehnten Chancen: Er kriegt den Bühnenjob, sie reist ab zum Nordpol – ins je eigene Paradies. Über allem hängt die Sentenz des Epikur: "Glück ist das Erkennen der eigenen Bedürfnisse" – und, möchte man hinzufügen, der Weise ihrer Realisierung. Für Susanne Franz liegt sie zweifellos auf der Bühne. Simone Rosa Ott spielt die Eva mit forcierter Lebenslust und Götz Koch den Adam abwechselnd als enttäuschten Macho und mitgerissenen Enthusiasten. Der freche Engel Hartmut Saam überzeugt am ehesten als Akkordeonist. Die Rollen der beiden aus dem Paradies entführten Tiere – Fisch und Vogel – erschöpfen sich in vager Symbolik. Die Freiheit der Fische besteht im gelegentlichen Luftsprung . Und Franz’ Eva ist ein Fisch.
– Bis 29. August täglich 20.30 Uhr im Innenhof des Wentzingerhauses. Tel. 01805/556656

Autor: Stefan Tolksdorf