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04. Juni 2010

"Bedways" - Noch einmal von der Liebe sprechen

DRAMA: Der Regisseur RP Kahl hat mit "Bedways" einen Film über das Filmemachen gedreht.

  1. Miriam Mayet als Regisseurin Foto: dpa

Berlin-Mitte, Friedrichstraße. Der Putz blättert von den Wänden. Eine grelle Lampe lässt die Haut leuchten. Die Künstlerin starrt gebannt auf die Performance. Dem Mythos nach gibt es dieses Berlin-Gefühl, diese Idee von einer Stadt der latenten kreativen Ströme, durchzogen von Leidenschaft und Vision. Gibt es einen prototypischen Protagonisten dieses kreativen Berlin, dann könnte das der Schauspieler und Regisseur RP Kahl sein, der spätestens seit seiner Hauptrolle in Oskar Roehlers "Sylvester Countdown" (1997) mit seiner rastlosen Präsenz ein physisches Bild dieser Idee lieferte. In seinem ersten eigenen Spielfilm als Regisseur, "Angel Express" (1999), bot er dann ein Kaleidoskop rastloser Seelen, die zu dumpfem Technopuls durch ein nächtliches Berlin irren.

Ging es in beiden Filmen bereits um Sex und die Sehnsucht nach der alles blendenden Leidenschaft, geht Kahls neuer Film "Bedways" einen Schritt weiter: In der Tradition der Nouvelle vague-Querdenker thematisiert er den Prozess des Filmemachens selbst, und sucht hier erneut nach einer Idee des Authentischen, nach Signaturen von Sinnlichkeit und Intimität.

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"Worum geht’s hier eigentlich?", will die Hauptdarstellerin Marie (Lana Cooper) von Regisseurin Nina (Miriam Mayet) wissen. "Das kann ich dir nicht sagen, das probieren wir doch gerade." Nina schürt die Unsicherheit zwischen ihren Schauspielern Hans (Matthias Faust) und Marie, denn ihre filmische Etüde über "Modern Love" soll den Hauch des Authentischen atmen. Und echten Sex will sie schon von ihren Schauspielern, denn das "ist doch der Sinn des Films...". "Bedways" ist das Dokument einer Probe. Und des Versuchs, noch einmal mit den Mitteln des Films von der Liebe zu sprechen. Dabei ziert sich der Produzent (Arno Frisch); die Finanzierung des Projekts ist zweifelhaft.

"Bedways" scheint kein Film aus deutscher Kinotradition zu sein, sondern eher von den europäischen Nachbarn. Die energetischen Kellerkonzertausschnitte der Rockband Sissimetall wirken erheblich sinnlicher und emotionaler als die von Verzweiflung geprägten Sexszenen, die – wie ein Foucault-Zitat vermuten lässt –, durchaus dazu geeignet sind, das Geschlecht zum Sprechen zu bringen. "Flesh is the law". So steht es geschrieben. Geblendet von einem Lichtreflex in der Selbstauslieferung an den ultimativen kalten Zeugen: die Kamera.

– "Bedways" (Regie: RP Kahl) läuft in Freiburg.

Autor: Marcus Stiglegger