Nun wird zurückgerudert

Patrick Guyton

Von Patrick Guyton

Do, 26. Januar 2017

Kunst

Wende im Streit um das Münchner "Haus der Kunst".

Soll das geschichtlich kontaminierte Münchner "Haus der Kunst" (HdK) tatsächlich äußerlich in den Originalzustand von 1937 zurückversetzt werden? Die Pläne des britischen Stararchitekten David Chipperfield, unterstützt vom bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle, hatten zu heftigen Protesten von Historikern, Architekten und der israelitischen Kultusgemeinde geführt (BZ vom 29. Dezember 2016). Das 175 Meter lange Monstrum mit dem einstigen Namen "Haus der Deutschen Kunst" am Südende des Englischen Gartens war ein Lieblingsprojekt Hitlers. Der Architekturhistoriker Winfried Nerdinger, Gründungsdirektor des Münchner NS-Dokumentationszentrums, bezeichnete das Vorhaben gegenüber der BZ als "nur noch geschichtsblinde Perversion".

Jetzt wird zurückgerudert, wie die Debatte am Mittwoch im Kunstausschuss des Bayerischen Landtags zeigt. Chipperfield ist gekommen, ebenso Spaenle. Der Brite sagt, dass 98 Prozent seiner Aufgabe in der Innensanierung bestehe. Er führt aus, was alles erneuert und verbessert werden soll. Viel Zustimmung erhält er von den Abgeordneten für den Plan, den schlecht genutzten Westflügel des Hauses umzubauen – vielseitig als "Universalbühne" für Performance, Konzerte, Diskussionsveranstaltungen. Den Zugang zum Englischen Garten will Chipperfield öffnen, der bisher durch einen Parkplatz versperrt ist. Auch das stößt auf Lob.

Frieden mit den Linden

Doch was bleibt von seinem Vorschlag, der für die meiste Kritik gesorgt hat – die Bäume an der Vorderfront des Hauses allesamt zu fällen? 13 mittlerweile schön und groß gewachsene Linden sind das. Ohne sie wäre der Blick wieder frei auf monströse NS-Architektur, diese würde damit viel näher in die Stadt eingebunden. "Alles, was wir machen, hat damit nichts zu tun", meint Chipperfield nun ganz zurückhaltend. Ob man sie behalten will oder nicht, sieht er als "philosophischen Aspekt". Ähnlich gibt sich Minister Spaenle, der es ursprünglich sehr gut fand, den "grünen Vorhang" zu beseitigen. Spaenle ruft jetzt nach einer Debatte über das äußere Erscheinungsbild des Hauses, er will "den demokratischen Diskurs anstoßen". Innensanierung toll, wie man mit dem Äußeren umgeht, bleibt offen, so das bisherige Fazit. Aber die Eins-zu-eins-Rekonstruktion des NS-Erscheinungsbildes ist wohl vom Tisch. Die Bäume "einfach abzuhauen", hält der Grünen-Abgeordnete Sepp Dürr für "völlig absurd". Chipperfield hat mit den Linden wohl einen gewissen Frieden geschlossen und meint: "Wenn wir sie behalten, dann sollten wir sie feiern."