10. Juli 2009 13:08 Uhr
ZMF in Freiburg
Orquestra Buena Vista Social Club macht Feuer unterm Hintern
Vom originalen Bunea Vista Social Club sind noch ein paar dabei, wenn das Nachfolge-Ensemble "Orquestra Buena Vista Social Club" auf Tour ist: Vor allem die 73-jährige Sängerin Omara Portuondo bestimmt das Konzert beim ZMF.
Das große R im Kreis hinter dem Namen Buena Vista Social Club sagt eigentlich schon alles. Registered Trademark, ein eingetragenes Warenzeichen, eine geschützte Marke ist das Ensemble mittlerweile. Und wie es bei Produkten so ist, weiß man nie, was genau drin ist, aber Hauptsache die Erwartungen werden erfüllt, es funktioniert oder es schmeckt. Andere Produkte könnten das zwar genauso gut, wenn nicht gar besser, aber diese Marke war halt die erste, mit der ist man verbunden, bis sie wieder verschwindet. Da weiß man, was man hat.
Zum Beispiel beim "Orquestra Buena Vista Social Club": Elf Musiker, ein paar der Alten, ein paar Nachgewachsene, dazu ein Sänger, der verhältnismäßig junge und sehr souveräne Carlos Calunga, eine singende und tanzende Dame mit einem Bilderbuch-Hüftschwung namens Idiana Valdés und schließlich der unbestrittene Star des Abends, die 78-jährige Omara Portuondo. Seit Anfang an dabei auch: Jesus Aguaje Ramos, ehemaliger musikalischer Direktor des großen verstorbenen Pianisten Ruben Gonzales. Die imposante Erscheinung leitet das Orchester nun schon seit fast einem Jahrzehnt.
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"CHAN CHAN" DARF NICHT FEHLEN
Vor allem seine eigenen Stücke bringen ein wenig frischen Wind in das von Son-Klassikern und Evergreens geprägte Programm. In "SR. Trombon" zum Beispiel, einer Art Salsa-Rhapsodie, bewies der Posaunist, dass das eher seltene Instrument in kubanischen Gefilden neue klangliche Facetten beisteuern kann, auch wenn beim abschließenden Solo der Regen mit aller Macht auf das Zeltdach prasselte. Zudem erweist sich der End-50er in strahlend weißem Anzug, der seine dunkle Hautfarbe sehr schön zur Geltung bringt, als ganz passabler Sänger.
"Chan Chan" durfte natürlich nicht fehlen: Flott im Chor hingeschmettert, klang Compay Segundos Erkennungshymne eher beiläufig, immer wieder hübsch Barbarito Torres' Lautensoli, auch der ist mittlerweile ergraut. Wie nicht anders zu erwarten präsentierte das Orquestra alles in allem eine Werkschau kubanischer Musik über drei Jahrzehnte, samt Tanz und Showeinlagen routiniert und perfekt heruntergespielt, nicht zu vergessen die Hommage an den Flöten-lastigen, weichen Charanga-Stil, der beispielsweise durch das Orchestra Aragon berühmt wurde.
In jenem Ensemble war sie lange die Sängerin, die einzige Dame im Buena Vista Social Club: In leuchtendem orangefarbenem Gewand und passendem Stirnband griff sie nach 75 Minuten in das Geschehen ein, und immer noch schien es, als müsste sie den älteren Herren Feuer unterm Hintern machen. Omara Portuondo wedelt mit den Armen und sofort hat sie das Publikum auf ihrer Seite, noch immer versprüht die 78-Jährige auf der Bühne eine mitreißende Energie. Auch wenn ihr Solo-Auftritt nach gut 20 Minuten schon wieder vorbei war, das Warten hat sich gelohnt. Nach "Silencio", dem Duett von Chefin und Chef zeigt der Klassiker "Quizas Quizas" wie fordernd und ungeduldig die alte Dame noch klingen kann. Von wegen ein zögerndes "vielleicht", hier wird Tacheles geredet. Und so ist auch die Stimmung auf dem Siedepunkt angelangt, die weit über 2000 Besucher klatschen und tanzen. Wenn die Portuondo auf der Bühne ist, klappt halt alles.
Der Rest ist leichtes Spiel, der Abend in trockenen Tüchern. Als allerletzte Zugabe kommt ein fast endloses "Candela", noch so ein Erkennungsstück der Institution. Als die Zeltlichter schon an waren, kamen sie noch mal auf die Bühne, um ein paar Takte mehr zu spielen: "Aye, aye". Als wollten sie sagen, die Kerze darf niemals ausgehen.
- Dossier: Alle Artikel und Fotos vom ZMF
Autor: Joachim Schneider






