Stühlinger

Papierkunst statt Porno: Das Freiburger depot.K ist jetzt in einer ehemaligen Videothek

Dietrich Roeschmann

Von Dietrich Roeschmann

Do, 26. Januar 2017

Freiburg

Das Freiburger depot.K hat ein neues Domizil gefunden: eine ehemalige Videothek im Stadtteil Stühlinger.

Am Ende kam es, wie es zu befürchten war in einer Stadt, in der Räume knapp und die Mieten hoch sind. Das Freiburger Kunstprojekt depot.K – 2009 von Tim Gutmann, Julia Dorwarth und Thomas Lefeldt in einem leerstehenden Fliesenhandel an der Schopfheimer Straße gegründet – erhielt die Kündigung. Eigenbedarf. Das war im Frühjahr 2016. Erneut stand damit in Freiburg ein unabhängiger Kunstraum vor der Schließung – diesmal nicht wie die Off-Spaces "barcelona" und "aber" aus dem Umfeld der jungen Szene zwischen Akademie und Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik, sondern aus einer älteren Künstlergeneration, meist abgesichert durch Jobs im kunstpädagogischen oder -therapeutischen Bereich, mit großem Interesse an den Möglichkeiten kreativen Ausdrucks und handwerklichen Könnens, weniger an aktuellen Diskursen und Konzepten zeitgenössischen Kunstschaffens.

Als das depot.K sein Domizil in Hinterhoflage dann im Juli räumen musste, war das drohende Aus des Projekts jedoch bereits abgewendet. Auf der Suche nach neuen Räumen war die Gruppe mit Gitta Walchner ins Gespräch gekommen, die im Stühlinger eine Videothek besaß, die sie zwei Jahre zuvor von ihrem damaligen Pächter übernommen hatte. Doch das Verleihgeschäft mit DVDs und Blu-Ray Discs lief schon lange nicht mehr gut – und mit dem rasanten Erfolg von Video-Streamingdiensten wie Netflix oder Amazon blieben auch bei Walcher die Kunden weg. Schließlich organisierte sie einen Räumungsverkauf und überließ die Räume den Künstlern vom depot.K gegen eine geringe Miete. Seit gut einer Woche hängen im neonhell ausgeleuchteten Ladengeschäft in der Lehener Straße nun weiche Fluss- und diesige Berglandschaften des in Freiburg lebenden Malers Lutz Goebel, flankiert von Dutzenden zarter, an botanische Makroskopien erinnernder Abstraktionen, die Sabine Ritz mit Ölkreide und Tusche auf Papier bringt. Es ist die vierte Ausstellung in den neuen Räumen, die das depot.K nach zweimonatiger Renovierung im Oktober bezog. Thomas Lefeldt ist immer noch begeistert. "Der Umzug hat uns enorm viel Aufmerksamkeit beschert", sagt er. Neben den Stammgästen kämen jetzt plötzlich auch Nachbarn zu den Vernissagen und Konzerten und immer mehr Menschen, die einfach zufällig in der Gegend unterwegs seien. Was sie zu sehen bekommen, sind jährlich bis zu acht Ausstellungen in nach wie vor sehr unterschiedlicher Qualität – und auf deutlich größerer Hängefläche als noch in der Schopfheimer Straße.

Teils in Raufaser tapeziert, erstreckt sie sich in einem verwinkelten Parcours über zwei Etagen bis in den Keller, wo früher zwischen rosa getünchten Wänden und abgehängter Decke die Porno-Abteilung untergebracht war und jetzt an dünnen Nylonfäden großformatige Scherenschnitte von Sabine Ritz im Raum schweben. Das Ensemble wirkt wie eine Probehängung – unentschlossen, vorläufig, tastend – und liefert damit en passant auch eine schöne Zustandsbeschreibung dieses eigenwilligen Kunstraumes, der das Provisorische noch nicht ganz abgestreift hat.

depot.K, Lehener Str. 30, Freiburg. Bis 12. Februar, Di, Do 17–19 Uhr, Sa, So 14-17 Uhr.