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09. Februar 2012
Preisgekrönt – preisverdächtig
Der Pianist Igor Kamenz, Dirigent Fabrice Bollon und das Philharmonische Orchester Freiburg .
Ein paar wenigen im Publikum war die "Entdeckungsreise", von der Laudator Winfried Jacobs vom Deutschen Musikverleger-Verband schwärmte, dann wohl doch zu lang. Sie verließen das Freiburger Konzerthaus vorzeitig. Leider. Denn so entging ihnen nicht nur ein in dieser Form beim Philharmonischen Orchester so selten zu erlebender frenetischer Applaus. Sie verpassten auch das grandiose Finale eines der besten Konzerte des Klangkörpers unter seinem Generalmusikdirektor Fabrice Bollon.
Gut möglich, dass der – undotierte – Preis für "Das beste Konzertprogramm" der Saison die Musikerinnen und Musiker zusätzlich beflügelte. Jedenfalls erfuhr die prämierte "stilistische und künstlerische Vielfalt" auch eine beispielhafte Qualität in der Interpretation. Auch dank des Solisten – Igor Kamenz. Man kann den ersten Satz von Sergei Prokofjews Zweitem Klavierkonzert g-Moll vielleicht in sich ruhender, breiter, rhapsodischer spielen. Aber auf keinen Fall emotionaler, energetischer und elektrisierender als der in Freiburg lebende langjährige Schüler des im vergangenen Jahr verstorbenen Vitaly Margulis. Kamenz’ Technik ist durch und durch ausgereift, sein Anschlag kristallin, allein seine virtuose Behandlung der immer mehr ins Dramatische sich steigernden Kadenz des ersten Satzes mit ihrem resignativen Ende (nach dem Orchestereinsatz) spricht für sich. Dass der Interpret als Dirigent, der er auch ist, stets den Dialog im Vordergrund sieht, wirkt sich positiv aufs Zusammenspiel aus, nicht nur beim Scherzo sondern auch im exotisch-grotesken Intermezzo.
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Da wünschte man sich gelegentlich, dass das Orchester noch mehr mit dem Dirigenten atmete, um noch mehr Spannung aus dem Marschthema zu schöpfen. Gleichwohl – auch im stürmischen Finale mit seiner rhythmischen Explosion befindet sich die gemeinsame Interpretation auf allerhöchstem Level.
Fabrice Bollon und die Philharmoniker demonstrieren hohe Orchesterkultur – insbesondere im Hinblick auf die Klangfarben. Das gilt für Jean Sibelius’ sinfonische Dichtung "Pohjolas Tochter", wo Bollon die düsteren Tableaus des Finnen in einer dramatischen Intensität ausbreiten lässt, die die Abgründigkeit dieser Musik fassbar macht. Und es gilt vor allem für Edward Elgars leider viel zu selten gespielte Erste Sinfonie As-Dur als letzten Programmpunkt. Die Interpretation zeigt ein Zwiefaches: wie nah dieser Elgar an seinem Vorbild Brahms ist. Und gleichzeitig – wie fern, etwa im Hinblick auf seine melodische idée fixe und den musikalischen Arabeskenreichtum. Und den arbeiten die Philharmoniker ganz famos heraus, mit intensiv gepflegten Details, mit sensiblem aufeinander Eingehen und großartigen Instrumentalleistungen – in den einzelnen Gruppen wie in den Soli. Auch im Hinblick auf die Interpretation wären Orchester und Dirigent an diesem Abend preisverdächtig gewesen – Gratulation!
– Teile des Konzerts (Prokofjew, Sibelius) werden am 10. April um 13.05 Uhr auf SWR2 gesendet.
Autor: Alexander Dick
