Punch Brothers

ROCK: Die Lust an der Dekonstruktion

Stefan Franzen

Von Stefan Franzen

Mi, 12. September 2018

Rock & Pop

In Eigenregie setzen die Punch Brothers um den Mandolinisten und Sänger Chris Thile seinen elaborierten Kammer-Country fort: Noch delikater sind die Satzgesänge, noch verinnerlichter die Leadvocals. Grandios groovy, aber auch intellektuell wie nie das Teamplay zwischen den gezupften und gestrichenen Strings, mit der aberwitzig virtuosen Mandoline im Fokus. Die herkömmlichste Songstruktur hat noch der swingende "Jumbo", voll ätzenden Spotts über Amerikas neuen weißen Chauvinismus. Nicht nur das siebenminütige Titelstück birgt eine kleine Suite für sich: "The Angel Of Doubt" ist Pizzicato-Dramolett, akustischer HipHop und verzerrter Folkwalzer zugleich. Diese Tempi- und Taktwechsel! "Jungle Bird" klingt zunächst, als würde es jede Tanzscheune zwischen den blauen Bergen und Oklahoma in Brand setzen, zerbröselt dann aber in purer Lust an der Dekonstruktion. Als Konzeptwerk kann man das Album auch sehen: Chris Thile ließ verlauten, es gehe in den Texten um die Isolation und Zerstreuung in der digitalen Ära, und um das, was an Verbindlichkeiten und Beziehungen im politischen Klima der Staaten gerade noch übrigbleibt.

Punch Brothers: All Ashore (Nonesuch/Warner). Konzert: Freitag, 9. Nov., Zürich, Kirche Neumünster, 20 Uhr.