Die Zeichen stehen nicht schlecht

Aufgezeichnet von Bertrand Gröger

Von Aufgezeichnet von Bertrand Gröger

Mi, 12. September 2018

Rock & Pop

AUF TOUR: Der Freiburger Jazzchor und sein Leiter Bertrand Gröger konzertierten in Korea.

Der Freiburger Jazzchor und Korea: Nun gab es eine lange Pause, nachdem der Chor 2002 bei der Chorolympiade in Busan in der Kategorie Jazz den ersten Preis errungen hatte. Eine koreanische Konzertagentur wurde auf den Chor aufmerksam und organisierte 2005, 2006 und 2007 drei große Tourneen mit Konzerten im Seoul Art Center und der Seoul Olympic Hall vor Tausenden von Zuhörern. Obwohl die Agentur den Chor für weitere zehn Jahre verpflichten wollte, nahm das Projekt ein Ende durch Insolvenz. Offenbar hatte der Agenturchef sein Firmengeld in Spielcasinos verloren...

Freiburg ist die jüngste der 13 Partnerstädte von Suwon. Aktiv angestoßen wurde die Freundschaft von Bürgermeister Yeom Tae-Yeong, der in früheren Jahren Umweltaktivist war und nun, im höchsten Amt seiner Stadt, von der deutschen Green City zu lernen gedenkt. Die neue Städtefreundschaft war jetzt auch dem Jazzchor Freiburg nützlich für einen koreanischen Neuanfang: Beide Ämter für Internationale Kontakte konferierten, und der Chor gab vier Konzerte in der 1,2-Millionen-Einwohner-Stadt.

Nachdem der Chor in Seoul aus dem Flugzeug gestiegen war, gab er in der Schwesterstadt umgehend ein begeistert aufgenommenes Special Concert in der City Hall vor den beiden Bürgermeistern Yeom und Martin Horn, den jeweiligen Städtedelegationen und 300 weiteren, meist geladenen Gästen. Auch das zweite Konzert des Chores im Rahmen des Hwaseong Fortress Festival fand Begeisterung in kleinerem Rahmen. Höhepunkt sollten die zwei Gastspiele auf dem Suwon Jazz Festival werden. In dem "A Cappella 2"-Programm der Freiburger spielt geistliche Musik eine erhebliche Rolle: Aus der intensiven Zusammenarbeit mit Bobby McFerrin haben Stücke wie "The Garden" (Garten Eden) und "Messages" (Botschaften in 13 verschiedenen Sprachen), ebenso das von dem Dänen Morten Kjaer für die Freiburger komponierte "The Way of Love" und George Harrisons Suche nach Gott in "Long Long Long" Eingang in dieses Programm gefunden.

Die andere Hälfte des Reigens setzte sich aus World Music zusammen, dies im Sinne des Wortes: Komplexe, mitunter polyphone Kompositionen von Astor Piazzolla, Carlinhos Brown/Roger Treece, Jakub Neskes "Mironczarnia" und nicht zuletzt das deutsche "Die Gedanken sind frei" im Fünfvierteltakt wurden aufgeführt. Doch eines fehlte: ein koreanisches Stück! Als Chorchef versprach ich den je 1500 begeisterten, mitunter euphorischen Zuschauern: "Sollten wir wiederkommen, werden wir für Sie auch Koreanisch singen!" Die Zeichen dafür stehen nicht schlecht: Die den Chor von morgens bis abends begleitende vierköpfige Crew des "Suwon Center for International Cooperation" waren von den Freiburgern und deren Musik so angetan, dass eine Einladung schon im nächsten Jahr Realität werden könnte. "Dann aber größer", sagt Teammanagerin Jinny Yeh. "Wir haben ein gutes Netzwerk an innerkoreanischen Städtekontakten!"