Pop

Laith Al-Deen tritt im Freiburger Jazzhaus auf

Olaf Neumann

Von Olaf Neumann

Fr, 07. September 2018

Freiburg

TICKET-INTERVIEW mit Laith Al-Deen, der in Freiburg im Jazzhaus auftritt.

Laith Al-Deen, 1972 in Karlsruhe geboren, schaffte 2000 den Durchbruch mit "Bilder von Dir". Sein immer noch aktuelles Studioalbum "Bleib unterwegs" ist 2016 erschienen. Auf der Platte, die er im Jazzhaus in Freiburg im akustischen Gewand vorstellt, singt er über Sinnsuche und die Befreiung aus dem Alltagstrott – und gewinnt Profil. Olaf Neumann hat mit Laith Al-Deen gesprochen.

Ticket: Ihr neuntes Album heißt "Bleib unterwegs". Wie vermeiden Sie Alltagstrott?
Laith Al-Deen: Ich hänge nicht mehr an allem wie eine Zecke und gebe einfach mal Verantwortung ab. Mein Produzent Udo Rinklin hatte eine klare Vision von dem Album, und ich ließ ihn einfach laufen. Das gab es bei mir vorher nicht. Dieses Mal habe ich einen musikalischen Bogen zu meinem ersten Album geschlagen. Die Songs drehen sich um Entscheidungen, die man in der Lebensmitte trifft.
Ticket: Wie schwer war diesmal das erste Wort oder der erste Gedanke?
Al-Deen: Glücklicherweise gab es ein paar Songs auf diesem Album schon länger. Den Auftakt "Alles hat seine Zeit" haben Johannes Falk und ich vor drei Jahren bei mir im Keller gebaut. Der Titelsong "Bleib unterwegs" stammt von Gregor Meyle und lag noch länger bei mir rum. Ich fand ihn von Anfang an gut, aber er passte nicht zum Album davor.
Ticket: Muss ein Song immer sofort als Al-Deen-Song erkennbar sein?
Al-Deen: Nein. Aber der Gesang und gewisse harmonische Strukturen sorgen bei mir immer für einen hohen Wiedererkennungswert. Auf dem Album kehre ich zurück zu dem Sound meiner Anfangszeit, den ich immer noch mag. Ihn auszumerzen, kriege ich nicht hin.
Ticket: Ist Songschreiben Selbstanalyse?
Al-Deen: Definitiv! Vor allen Dingen, wenn du darin nicht selbst komplett involviert bist. Wir haben dann an "Geheimnis" noch ein bisschen herumgeschraubt, aber bereits im ersten Moment fühlte ich mich von dem Song ertappt. Da hat jemand etwas auf den Punkt gebracht, der mein Leben gar nicht kennt.
Ticket: Sind Sie ein Getriebener?
Al-Deen: Nicht mehr. Durch dieses Loslassen habe ich einen ganz anderen Schub bekommen: mehr so einen Plasma-Antrieb! Ich muss nicht das Gefühl haben, extrem krass vorwärts zu kommen, um die Energie zu spüren, die mich beflügelt. Das ist wirklich großes Kino! Das klingt alles sehr spirituell und ein bisschen nach Pseudo-Weisheit, aber so fühlt es sich für mich gerade an. Ich glaube, dieses Prinzip habe ich ein Stück weit verstanden. Ob ich es schon lebe, weiß ich nicht.
Ticket: Was ist für Sie der Sinn des Lebens?
Al-Deen: In "Alles hat seine Zeit" gibt es die Zeile "Auf der Suche nach Unendlichkeit". Im Studio haben wir lange über die Frage philosophiert, ob man am Ende seines Lebens eine Marke hinterlassen will, um nicht sinnlos zu verschwinden. Darüber sind wir uns nicht einig geworden. Ich finde, wenn man nicht immer krampfhaft nach dem Sinn sucht, dann entspannt einen das deutlich.
Ticket: Die Songs auf dem Album erzählen von Veränderung und von der Sinnsuche. Wie sehr fühlen Sie sich zu Ihrem Beruf auch berufen?
Al-Deen: Heute viel mehr als noch bei meinem letzten Album. Damals hatte ich gerade eine sehr seltsame Burnout-Phase hinter mir und mich mit entsprechenden Werkzeugen ausgestattet. Das manifestierte sich in Form einer nicht mehr endenden Tour, die sich "Live Acoustic" nennt. "Bleib unterwegs" ist für mich zu einem Lebensmotto geworden. Das Album beschäftigt sich hauptsächlich mit der Bewegung, die dadurch entsteht, dass man die Position des Platzhirsches abgibt und anderen auf eine spezielle Art vertraut. Das gab mir wirklich einen Schub. Es muss nicht immer alles von mir kommen.


Termin: Freiburg, Jazzhaus, So, 9. Sept.,
20 Uhr