Freiburg

Schule für Tanz, Improvisation und Performance zeigt Kurzformate - und bietet jetzt auch einjährige Ausbildung

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Di, 11. Dezember 2018

Theater

Unterr dem Titel "Transmitter Release" zeigten 13 Tänzerinnen und Tänzer aus sechs Ländern im Kammertheater des E-Werks eine rund einstündige Abschlusspräsentation - und berührten vor allem mit dem Thema Beziehung.

Seit Januar bietet die Freiburger Schule für Tanz, Improvisation und Performance (TIP) das neue Format einer einjährigen Ausbildung. Jetzt war unter dem Titel "Transmitter Release" eine rund einstündige Abschlusspräsentation von 13 Tänzerinnen und Tänzer aus sechs Ländern im Kammertheater des E-Werks zu sehen: Neun Kurzstücke mit ganz unterschiedlichen Themen, Techniken und Bewegungssprachen, die neben der tänzerischen Qualität vor allem durch Frische und Originalität begeisterten (Coaching: Lilo Stahl, Bernd Ka, Oliver Lange).

Nichts als ein langer Tisch steht auf der Bühne, zu den Schlägen eines Metronoms tippen die vier ganz in Grau gekleideten Akteure synchron mit den Fingern auf die Holzplatte, schießen dazwischen wie Springteufel in die Höhe und lassen Gesten von einem zum anderen hüpfen, während ihre nackten Füße seltsames Eigenleben entwickeln. Das hat bei aller Stummfilm-Komik eine hohe Präzision, zumal ihr Stück "Timetable" rasend schnell an Fahrt zunimmt, bis Eva Krause, Hannah Froese, Miquel Amengual Gual und Tatiana Chico Mansió bei einem halsbrecherischen Parkour über den Tisch hechten, rutschen und wirbeln. Surrealen Witz zeigt auch das dynamische Duo "As we Fall" von Andrea Fehr und Kristina Ahlman, die hier mit Tempi, Brüchen und einer Vielfalt von tänzerischen Elementen und ihren Extremen experimentieren und dabei mit fliegenden Zöpfen einen flirrenden Erzählsog produzieren.

Überhaupt dreht sich hier vieles um Paare: Umwerfend ist da das tragikomische Stück "Piece n.1" von Hannah Froese und Miquel Amengual Gual, das zum mexikanischen Schmachtsong "Paloma Negra" das ganze Katz-und-Maus-Spiel unterschiedlicher Beziehungsdynamiken so virtuos wie clownesk in geschmeidige Bewegung übersetzt: Mal kleben die beiden mit stoischem Gesichtsausdruck und in grotesken Stellungen eng umschlungen aneinander, dann wieder kippt einer zu Seite und rutscht zu Boden, wird im letzten Moment aufgefangen oder versucht sich vom Acker zu machen, während der andere ihn mit leidenschaftlicher Entschlossenheit wie ein Äffchen umklammert. Liebe kann so anstrengend sein... Eine großartige Performance – und sehr lustig! Auffallend oft zeigt die Gruppe hier neben erzählerischen und humoristischen auch immer wieder artistische Elemente, so wie Daniel Rahm und Paulina Krzeczkowska bei ihrem ebenso archaischen wie poetischen Paartanz "Rephrase".

Ein Höhepunkt ist das Gruppenstück "Coat²": In gekrümmter Schlafhaltung liegen Anne K. Frenk, Daniel Ram, Diana Sudan, Paulina Krzeczkowska und Tanja Klöti unter großen, braunen Wollmänteln in goldenem Licht auf dem Boden. Abrupt springen sie auf und rennen barfuß zu einem melancholischen, orientalisch angehauchten Song über die Bühne, ziehen sich in synchronen, reduzierten Gesten immer wieder die Mäntel zurecht, kreiseln und trudeln mit ausgestreckten Armen. Flucht, Verlust, Einsamkeit – all das transportiert sich hier und produziert berührende, innere Bilder. Ein beeindruckender und sehr unterhaltsamer Abend, der Lust macht auf mehr solche Kurzformate.