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20. Juli 2012

Stimmen, ZMF & I EM Music

Schwer kalkulierbares Festivalgeschäft: Der Kleinste spürt den Druck

Auch der Fußball ist ein Faktor: Stimmen, ZMF und I EM Music im schwer kalkulierbaren Festivalgeschäft.

König Fußball hat wieder regiert: Weil während einer Welt- oder Europameisterschaft die Leute ihre Abende am liebsten vor dem Fernseher verbringen, werden andere Veranstaltungen auf die Zeit danach gelegt. So wurde das Freiburger Zelt-Musik-Festival (ZMF) dieses Jahr – zum zweiten Mal nach 2010 – gegenüber dem sonst üblichen Zeitraum eine Woche nach hinten geschoben. Die Folge: Parallel finden an diesem Wochenende drei südbadische Musikfestivals statt, es gibt neun große Konzerte in Lörrach bei Stimmen, beim ZMF in Freiburg und in Emmendingen bei I EM Music.

Christoph Römmler veranstaltet mit seiner Agentur Karo Events die Konzerte auf dem Emmendinger Schlossplatz. Weil nicht nur in Südbaden die Festivals auf denselben Zeitraum rückten, sondern in ganz Deutschland und Europa, sei die Konkurrenz um die Künstler, die im Sommer auf Tournee gehen, größer geworden, berichtet er. Mancher Wunschkandidat werde da unerschwinglich. Der Vorverkauf für die I-EM-Music-Konzerte mit James Morrison, Jan Delay und Dick Brave ist nicht zu Römmlers Zufriedenheit gelaufen, die Kapazität von jeweils 5000 Zuschauern wird wohl nur zur Hälfte ausgeschöpft.

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Die anderen Veranstalter dagegen sind zufrieden, Marc Oßwald vom ZMF rechnet mit am Ende mehr als 40 000 verkauften Karten (siehe unten ). Auch Markus Muffler, der die Nachfolge des scheidenden Stimmen-Leiters Helmut Bürgel antritt, ist mit dem bisherigen Verlauf seines Festivals sehr zufrieden. Zahlen will er erst nach dem Ende von Stimmen im August nennen. Von den großen Marktplatzkonzerten in Lörrach ist das von Lenny Kravitz am Sonntag seit längerem ausverkauft. Wie der Besuch der vorherigen Konzerte ausfalle, das sei auch eine Frage des Wetters, meint Muffler, es gebe immer einen Spontaneffekt bei guter Lage.

Nicht nur deswegen ist das Festivalgeschäft nicht richtig kalkulierbar, das sagen alle Veranstalter. "Ein ‚Das hätte ich nicht gedacht’ gibt es immer wieder", meint Muffler. ZMF-Mann Oßwald hatte dieses Jahr besonders viele Extreme zu verzeichnen (siehe Interview unten). "Es ist Zockerei", sagt Christoph Römmler zu dem Geschäft. Er veranstaltet I EM Music auch, um Emmendingen und seine Agentur auf die Landkarte der Musikveranstaltungen zu setzen und im Geschäft mit Hallenkonzerten mitmischen zu können. Um bei seinen drei Konzerten auch Gewinn zu machen, bräuchte er mehr Zuschauer, als wohl kommen werden.

Der Künstlerkreislauf zwischen den Festivals

Alle drei in Emmendingen auftretenden Sänger waren allerdings schon in früheren Jahren beim Stimmenfestival und/oder beim ZMF. Es gibt so etwas wie einen Künstlerkreislauf zwischen den Festivals. Die Norwegerinnen von Katzenjammer etwa, die am Donnerstag auf dem Lörracher Marktplatz auftraten, waren 2010 schon einmal bei Stimmen, im kleineren Rahmen des Rosenfelsparks, und 2011 beim ZMF im kleinen Spiegelzelt. Da stellt sich die Frage, ob die Nachfrage groß genug ist, wenn beide Festivals auf ein Publikum in ganz Südbaden zielen. Das Stimmenfestival hat dieses Jahr seine Werbeaktivitäten in Freiburg deutlich ausgeweitet.

Die Lörracher wollen der Konkurrenz auf ihre Weise aus dem Weg gehen: "Stimmen hat den Anspruch, vor der Welle da zu sein", sagt Muffler. Und er nimmt für das Lörracher Festival ein Alleinstellungsmerkmal in Anspruch: Viele Künstler seien von dem durchgängigen Konzept begeistert. Druck von seiten der anderen südbadischen Festivals spürt er deshalb nicht.

Auch Marc Oßwald sieht das ZMF vom Emmendinger Event nicht beeinflusst. Das kleinste der Festivals allerdings spürt den Konkurrenzdruck. "Wir waren an vielen Künstlern dran", sagt Christoph Römmler, "wie andere auch, da geht es dann irgendwann ums Geld." Aber auch um Termine. Der Karo-Geschäftsführer würde sich Absprachen wünschen. Den Bedarf aber haben die anderen Festivals nicht. Nächstes Jahr, wenn kein Fußballturnier ansteht, wird sich die Lage wieder etwas entspannen. Aber wenn in zwei Jahren die Weltmeisterschaft in Brasilien stattfindet, wird es wohl wieder ein Festival-Superwochenende geben.

Autor: Thomas Steiner