Sharon Jones

SOUL: Machtvoll glühend

Stefan Franzen

Von Stefan Franzen

Mi, 29. November 2017

Rock & Pop

Wie singt jemand im Angesicht des Todes den Soul? Bei der vor einem Jahr gestorbenen Sharon Jones scheint die Gewissheit über das Kommende einen heiligen Ernst entfacht zu haben. Auf dem posthum erschienenen "Soul Of A Woman" hat sie zu einem machtvoll glühenden Ton ohne ein Quäntchen Pathos gefunden. Der erinnert in "Matter Of Time" oder "Sail On" an die Intensität von Aretha Franklins ersten Atlantic-Alben, flankiert von den beißenden Bläsern der Dap-Kings, die wie ein großes Groove-Organ atmen. Und in der Mitte passiert Großartiges: Nach der weitgehend funky A-Seite (auch die CD folgt der LP-Ästhetik), reihen sich Balladen ganz unterschiedlicher Couleur aneinander: Ihr Phrasieren zur glimmenden Orgel in "Pass Me By" gemahnt an den Minimalismus des jungen Al Green, das mit Motown kokettierende "When I Saw Your Face" lebt von gleißenden Streichern, "Girl" von orchestralem Hochgebirge. Das kurze Album verdankt seine Magie auch der exzellenten Produktion – der unglaublich kompakte, zeitlose Sound macht Prädikate wie "retro" endlich überflüssig. "Call On God" heißt das Gospel-betupfte Finalstück aus Jones’ eigener Feder – ein Schwanengesang, der zum spirituellen Triumph über den Tod gerät.

Sharon Jones & The Dap-Kings: Soul Of A Woman (Daptone/Groove Attack).