Horrorfilm

Split: Ein Mann mit 23 Persönlichkeiten

Martin Schwickert

Von Martin Schwickert

Do, 26. Januar 2017

Kino

HORRORTHRILLER: "Split".

An den frühen Erfolg von "The Sixth Sense" (1999) konnte M. Night Shyamalan (siehe Interview morgen im Ticket) nie wieder anknüpfen, und nun scheint sich der Regisseur weniger ambitioniert in der Horror-Ecke einzurichten. Wie sein letzter Film "The Visit" arbeitet auch "Split" mit relativ kleinem Budget und bekannten Versatzstücken, die mit einer mehr oder minder originellen Zentralidee aufgewertet werden. Die stammt hier aus dem Handbuch der klinischen Psychologie, denn der Protagonist leidet unter einer dissoziativen Identitätsstörung.

Das führt dazu, dass Hauptdarsteller James McAvoy am Ende in den Credits für ein halbes Dutzend Rollen aufgeführt wird – und das ist nur ein Bruchteil einer Palette von 23 Persönlichkeiten, in die sich Kevins multiple Identität aufgespalten hat. Zwei davon sind für die Entführung von drei weiblichen Teenagern verantwortlich, die sie in abgeschotteten Kellerräumen festhalten. Darunter ist Claire (Haley Lu Richardson), die aufgrund eigener Missbrauchserfahrungen die Psyche ihres Peinigers zu entschlüsseln beginnt.

Mit seinem klaustrophobischen Täter-Opfer-Setting gehört "Split" – wie zuletzt "Room" oder "10 Cloverfield Lane" – zu jenem Thriller-Subgenre, das sich des Falles Natascha Kampusch als grauenerregende Inspirationsquelle bedient. Aber auch wenn am Ende zumindest eines der Opfer aufgrund seiner traumatischen Erlebnisse zu einer gewissen Eigenständigkeit und Stärke findet, ist es der Täter mit der multiplen Persönlichkeit, dem die ganze Aufmerksamkeit des Films gehört.

Mit Verve springt James McAvoy ("Trance"/"X-Men") von einer Identität zur nächsten und beweist sich als echter Verwandlungskünstler. Wenn er jedoch am Schluss in ein omnipotentes Biest digital mutieren muss und das ohnehin unangenehme, mädchenquälende Setting unnötig brutalisiert wird, verliert die Angelegenheit schnell an Restfaszination und mündet in billige Genreroutine. (Läuft flächendeckend, ab 16)