Stimmlich wie instrumental gut aufgestellt

Sarah Nöltner

Von Sarah Nöltner

Di, 19. April 2016

Klassik

Der Motettenchor Lörrach unter der Leitung von Stephan Böllhoff gab in der Kirche St. Peter ein Kantaten-Konzert.

90 Jahre wird der Motettenchor Lörrach dieses Jahr alt und singt und klingt so gar nicht altersschwach, sondern frisch, voluminös und beweglich. Beim Kantaten-Konzert in der katholischen Kirche St. Peter präsentierte er sich gut aufgestellt, wenngleich ein paar jüngere, vornehmlich männliche Sänger eine schöne Ergänzung wären.

Mit der Kantate "Meine Seele ist stille", ein Lobgesang, den Fanny Hensel Mendelssohn 1831 anlässlich des ersten Geburtstages ihres Sohnes Sebastian komponierte, eröffneten Chor und Orchester das Konzert. Leider fand das Orchester erst im zweiten Takt in den pastoralen 6/8-Takt, doch als alle sich eingefunden hatten, lief es gut. Der Chor bestach im zweiten Satz mit stark artikuliertem Text und flexiblem Klang. Solistin Alies Mack sang sowohl das Alt-Recitativ, als auch die Sopran-Aria. Besonders in der Aria bezauberte sie durch die klingende Leichtigkeit und eine natürliche Lockerheit ihrer Stimme. Das Achtelmotiv der tiefen Streicher im Schlusschor, über das sich alsbald die Frauenstimmen legten, drückte die freudige Spannung von Fannys Lobgesang aus. Im Zwischenspiel potenzierten die fanfarenartigen Bläsereinwürfe den Ausdruck von Freude, Lob und Dank. Nach einer kurzen Verschnaufpause dirigierte Stephan Böllhoff die Sinfonie-Kantate op. 52 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Dieser Lobgesang entstand 1839/1840. Sinfonisch deshalb, weil Mendelssohn die erste Hälfte allein dem instrumentalen Lobgesang überlässt. Erst in der zweiten Hälfte kommen der Chor und die Solisten dazu. Mit großem, orchestralen Klang stieg das Orchester diesmal ein, fast klang es nach mehr, als die tatsächliche Zahl der Mitspielenden klanglich hergeben konnte. Besonders die Holzbläser und Posaunen zeigten sich als homogener Klangkörper.

Mit einer ganz leisen Klarinettenstelle sammelte Böllhoff die eventuell ob der Länge des Orchesterparts abgeschweiften Zuhörer wieder ein und bündelte ihre Aufmerksamkeit. Die Balance im Orchester war so ausgewogen, dass sogar die warmen Motive der Flöten immer gut hörbar waren. Ein Thema von Oboe und Fagott klang fast mehr nach osteuropäischer Romantik als nach Kantate zu den "Worten der Heiligen Schrift" und wurde genussvoll ausgespielt. Einzig die Hörner schienen irgendwie ihr eigenes Ding zu machen, Böllhoffs überdeutliches Dirigat schien ihnen oft einen Moment voraus, was wohl nicht nur an der Kirchenakustik und den bauchig gespielten Tönen lag.

Als dann nach der längeren Sing-Pause der Chor und wenig darauf die Solisten wieder aktiv am Geschehen teilnahmen, taten sie dies quasi aus dem Stand heraus mit einem unerwartet lauten, vollen Klang. Der Tenor David Fischer sang seine Soli mit warmer Stimme, artikulierte klar und verständlich. Durch seine am Textgehalt orientierte musikalische Gestaltung verdichtete er das Erlebnis für die Zuhörer. Besonders eindrucksvoll war die leise und zittrig gesungene Frage "Hüter, ist die Nacht bald hin?", der dramatische chromatische Abwärtsbewegungen bei "Stricke des Todes" vorausgegangen waren. Für die erkrankte Helena Bickel war kurzfristig Siri Karoline Thornhill als Solistin eingesprungen. Ein weiteres Konzert des Motettenchores endete mit begeistertem Applaus, der von den Musikern mit einer Zugabe belohnt wurde.