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19. Juli 2016

Teilen und Mitteilen

"Mit Händen und Füßen": Ein interkulturelles Projekt des Cargo-Theater im E-Werk.

  1. Szene aus „Mit Händen und Füßen“ Foto: promo

Menschen, die sich nebeneinander her, umeinander herum bewegen, sich aber niemals berühren. Menschen, die aufeinander treffen, für eine begrenzte Zeit kommunizieren, nonverbal oder verbal. Menschen, die eine Gruppe, eine Einheit bilden, gemeinsam agieren – mit Händen und Füßen: "Mit Händen und Füßen", so der Titel des interkulturellen Projekts des Cargo Theaters im Freiburger E-Werk. Gezeigt wurde die Performance im Rahmen des "Finale Grande" beim vierten Jugendkunstparkour.

Als Bindeglied zwischen den kaleidoskopartig angeordneten Einzelbildern der Inszenierung wie auch zwischen den zwölf weiblichen und männlichen Akteuren auf der Bühne fungiert die Musik – was nicht verwunderlich ist, repräsentieren die Darsteller doch so unterschiedliche Herkunftsländer wie Syrien, Brasilien oder Gambia. Doch beschränken sich die Unterschiede, deren Überbrückung das Motto der Performance ist, keineswegs auf Nationalitäten. Steht doch hinter jedem Menschen eine individuelle Geschichte. Und steckt doch in jeder Person eine Persönlichkeit, deren Erleben etwas Einmaliges ist. Die persönliche Erinnerungs- und Gefühlswelt erscheint in der Darstellung des Cargo Theaters ebenso als etwas Ureigenes wie auch als etwas, das man teilen, mitteilen kann – auch und gerade über Sprach-und Kulturbarrieren hinweg.

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Den künstlerischen Leitern von "Mit Händen und Füßen", Carla Wierer und Lubi Kimpanov, ist eine sowohl vielgestaltig-multiperspektivische als auch stringent entwickelte Inszenierung gelungen. Gesang und Instrumentalpassagen, gesprochenes Wort und nicht zuletzt Tanz und Bewegungskunst präsentieren sich mal in harmonischer, mal in spannungsreicher Verbindung. Und natürlich sind nicht nur Hände und Füße in Aktion, sondern stets die ganzen Körper, die sich mal akrobatisch winden, mal stampfend den Boden bearbeiten, mal fließend durch den Raum gleiten, mal abrupt innehalten. Die Musikstücke: Melancholie spricht aus den meisten, sind sie doch mit der Erinnerung an verlorene Zeit, verlorene Heimat, verlorene Lieben und Leben verbunden. Krieg, Flucht, Vertreibung: Sie schwingen in unserer Zeit selbstverständlich mit, wenn sich unterschiedliche Kulturen in der Kunst verbinden. Doch verdeutlicht "Mit Händen und Füßen" gerade das allen Gemeinsame, das alle Abgrenzungen ad absurdum führende allgemein menschliche Erleben.

Für die Unmittelbarkeit dieser Lesart zeichnet edntscheidend die Leistung der Darsteller verantwortlich, sowohl als einzelne Persönlichkeiten wie auch als dynamische Einheit: Intensiver sind tänzerischer und musikalischer Ausdruck, auch im Sinne von Kunst als einer Universalsprache, kaum möglich.

Autor: Bettina Gröber