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12. März 2010

Diese andere Eigenart

Die Schattenspringer mit "Gestern Heute Morgen".

  1. Immer ein Event: Susi Steubner (links) und Gesche Theilen in der Szene „Löcher“ Foto: taro herbel

Es beginnt ganz mittelalterlich: Auf dem fiktiven Marktplatz tummelt sich das Volk, dazwischen hofieren Adel und Klerus die Ratsherrin, die man wenig später als Hexe an den Pranger stellt. Auf der Bühne des Vorderhauses wirkt das stellenweise wie ein pittoreskes Tableau Vivant, so unterschiedlich und ausdrucksstark sind hier die Akteure. Denn die Freiburger Schattenspringer sind eine vom Diakonischen Werk getragene integrative Theatergruppe mit Menschen mit und ohne geistige und körperliche Behinderungen. Seit 1998 inszeniert die Gruppe eigene und adaptierte Stücke, versucht sich an unterschiedlichen Inhalten und Herangehensweisen (Regie: Wolfgang Kapp). Dass diese Theaterarbeit neben ihrem integrativen Charakter auch für das Publikum eine Besondere ist, liegt auf der Hand: Mit manch Sehgewohnheit wird hier gebrochen, im besten Falle entwickeln sich spannende experimentelle und performative Formen. Dann wird auf der Bühne Behinderung zur künstlerischen Eigenart.

"Gestern Heute Morgen" heißt die aktuelle Produktion der Schattenspringer, deren Idee beim Reutlinger Integrativen Theatertreffen 2009 entstand. In über zwei Stunden zeigt die 19-köpfige Gruppe eine Art Zeitreise à la Lutz Hübners "Alles wird anders, alles wird gut". Dabei wurde das thematisch aufgegriffen, was den Akteuren ganz persönlich am Herzen lag und in Improvisationen Gestalt annahm: So geht es in den Kurzszenen zu allen Zeiten um den Konflikt Arm – Reich, um Stigmatisierung und Ausgrenzung, aber auch um Liebe, Hoffnung und Visionen. Der Bogen spannt sich mithilfe von Musikeinspielungen, einer Art Erzähler und minimaler, aber wirkungsvoller Requisite (Bühne und Kostüm: Stephanie Breidenstein): Mal befinden sich die Spieler im 30-jährigen Krieg, dann am Fließband , in einem faschistischen Umerziehungslager oder in einer jetztzeitlichen Disco.

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Das wirkt bei aller Spielfreude stellenweise etwas holzschnittartig und langatmig, entwickelt aber immer dann einen besonderen Reiz, wenn man sich vom klassischen Sprechtheater wegbewegt und mehr auf Rhythmus, Bewegung und Körperausdruck setzt. Hier könnte man sicher noch an eigenwilligeren Ausdrucksformen arbeiten, liegt doch gerade in der extremen Heterogenität der Gruppe ein großes Potenzial. Ein Event sind die Vorstellungen der Schattenspringer allerdings immer: Selten geht es auf und vor einer Theaterbühne so "integriert" oder manchmal sogar "inklusiv" zu.

– Weitere Aufführungen: Heute und morgen, um 20.30 Uhr im Vorderhaus. Am 26. und 27.3. um 19.30 Uhr im Saal der Ludwigskirche. Am 16. und 17.4. um 20 Uhr im Stadttheater und am 23.4. um 19.30 Uhr in der Christuskirche, Freiburg.

Autor: Marion Klötzer