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31. Januar 2009
Körperornamente
Die Performance "Beyond" verbindet im Freiburger Peterhofkeller Tanz mit Musik und Texten
Ein Kichern aus vier Körpern ist im Peterhofkeller der Universität Freiburg zu hören. Dann wird die bislang eher meditative Musik härter und rockiger und die Stimmen von Stephanie Scheubeck, Verena Hehl, Jenny Döll und Marie Klara Kolinsky überschlagen sich. Im nächsten Moment werden sie sich, mit hautfarbener Unterwäsche bekleidet, auf den Boden legen, Fotos von Markus Reck sind auf ihre Körper projiziert. Sie winden und bäumen sich. Einen Augenblick später stößt Manoela Milanova hinzu, die anders als die Absolventinnen von bewegungsart sichtlich vom klassischen Ballett geprägt ist. Die fünf Tänzerinnen gruppieren sich zur Formation.
"Beyond" klinkt sich in das Ausstellungsprojekt "Akträume" im E-Werk ein, das von der studentischen Gruppe der "Zeitgenossen" organisiert wurde. Choreografin Doro Eitel hat sich von Markus Recks Serie der Körperornamente und -tapeten inspirieren lassen. Reck vervielfältigt und manipuliert weibliche Akte zu kaleidoskopischen Ansichten. Erotisch sind diese Körper, genau genommen ist es einer, der reproduziert wird, nicht. Recks Bilder wirken steril und wer hier an Fortpflanzung denkt, denkt an Reagenzglas. Themen wie die molekulare Struktur unseres Körpers, die Veränderungen, die die Zeit an ihm bewirkt, Schutz und Schutzlosigkeit sind nur einige Themen, die im Tanz und in den Texten anklingen. Die Grenzüberschreitung, auf die der Titel anspielt, ist durchaus auch eine der Künste und man praktiziert sie mit denkbar großer Offenheit. So wird der L-förmige Raum in der ganzen Länge bespielt und die Zuschauer können den Tänzerinnen auf Schritt und Tritt folgen. Ferdinand Kumpfmüller (Gitarre) und Vasco Miguel de Carvalho Antunes (Percussions, Hang, Klarinette) sind nicht nur mitreißende musikalische Live-Begleitung, sie haben auch ihre eigenen Auftritte. Die Tänzerinnen agieren auch als Klangkörper. Einmal gehen zwei von ihnen aufeinander zu und kommunizieren in einer poetischen Lautsprache miteinander, ein anderes Mal wird "Bei mir bist du schön" gesungen, während die Darstellerinnen in immer anderer Kleidung posieren.
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In den besten Momenten ist "Beyond" derart unbeschwert. Doch der Performance fehlt es an Kontur. Daniel Tischer erklimmt das Mauerwerk des Peterhofkellers, um von hoher Warte bedeutungsschwer Texte des Schamanenforschers Alberto Villoldo vorzutragen. Und natürlich wird auch mit dem Publikum interagiert. Die Performance ist ernsthaft bemüht und eben davon kann sie sich nicht lösen.
– Weitere Vorstellungen: Heute sowie am 1. und 2. Februar im Peterhofkeller, Niemensstr. 10, jeweils um 20 Uhr.
Autor: Annette Hoffmann



