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31. Juli 2012

Unserainer het drej gsichter

Er schrieb auf Elsässisch, Deutsch, Französisch: Zum Tode des Schriftstellers und Dichters André Weckmann.

  1. André Weckmann Foto: BZ

"Ist uns nicht die Gewohnheit antrainiert worden, die Sprache bei jedem politischen Umschwung auszuwechseln?" So umriss der elsässische Schriftsteller und Dichter André Weckmann 2005 in seinem Erzählband "Schwarze Hornissen" das Dilemma der Elsässer. Weckmann schrieb deutsch, französisch, elsässisch und gehörte zu den bedeutenden Vertretern der Dialektdichtung, weil er seiner Muttersprache Bilder, Klänge und den unverwechselbaren Ausdruck abzuringen vermochte. Mit seinem Tod verstummt eine der großen literarischen Stimmen aus dem Elsass und am Oberrhein.

Weckmann, im November 1924 in eine Wirtsfamilie in Steinbourg im Nordelsass hineingeboren, trat nicht nur für die Dreisprachigkeit und die Kultur seiner Region zwischen Deutschland und Frankreich ein. Mit den Mitteln des Poeten beschrieb und verarbeitete er auch das Schicksal der zwangsrekrutierten Elsässer. Weckmann war 19 Jahre alt, als er in die deutsche Wehrmacht eingezogen wurde: Ein Malgré-nous. Ein Jahr später desertierte er und schloss sich dem französischen Widerstand an. Auch dieser Kampf machte ihn zu einer moralischen Instanz. Nach dem Krieg wurde er Deutschlehrer und unterrichtete parallel zu seinem schriftstellerischen Schaffen bis 1989 an einem Straßburger Gymnasium.

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Weckmann schonte seinesgleichen nicht, wenn er dem elsässischen Zwiespalt auf den Grund ging. "Unserainer het drej gsichter. Unserainer het drej Seele", lauteten entsprechend die ersten Verse eines Gedichts. Das Elsass ignoriere seine kulturelle Verzweiflung, übersetze sich permanent und verliere sich dabei, schrieb er in den späten 80er Jahren, in der französischen Ausgabe seines zunächst in Deutschland erschienenen Bandes "Odile oder das magische Dreieck".

In den vergangenen Jahren war er selten öffentlich präsent, wenngleich seine Themen nicht an Aktualität verloren haben. Für "Die Fahrt nach Wyhl. Eine elsässische Irrfahrt", entstanden vor dem Hintergrund des Antiatomkampfs am Oberrhein, wurde er 1976 mit dem Hebel-Preis ausgezeichnet. 1990 erhielt Weckmann die Carl-Zuckmayer-Medaille, zeitgleich mit Adolf Muschg und Martin Walser. Literatur, Dichtung, politisches Engagement flossen bei Weckmann ineinander. Kriegswunden und Heimkehr waren neben der Sprache und Identität der Elsässer seine großen Themen.

Weil er ein Künstler war, fand Weckmann die Worte für das Schicksal der Elsässer. Was er einer seiner Figuren zugedacht hat, galt auch für ihn: "Der Krieg hat keine Bitterkeit zurückgelassen, nur einen wachen Geist, ein beobachtendes Auge."

Autor: Bärbel Nückles


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