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18. März 2010
Verdi zu Gast bei Jacques Offenbach
"Hoffmanns Erzählungen": David Zinmans Zürcher Operndebüt.
Funktioniert hat sie im Grunde nur ganz selten: die Besetzung der vier großen Frauenpartien Olympia, Antonia, Giulietta und Stella in Jacques Offenbachs grandiosem Opernfragment "Hoffmanns Erzählungen" mit nur einer Sängerin. So unterschiedlich sie das Libretto zeigt – Puppe, Künstlerin, Hure und die Synthese daraus –, so unterschiedlich sind auch die Anforderungen an die Sopranstimmen. Gerade deshalb wäre es interessant gewesen, wie sich die Rumänin Elena Mosuc auf dem Höhepunkt ihrer Karriere an der Zürcher Oper in diesem Experiment bewährt hätte. Eine Stimmbandentzündung hat dies vorerst vereitelt.
Gut für die Chinesin Sen Guo, Ensemblemitglied des Hauses, die mit ihren an Intonationsreinheit, Perfektion von Artikulation und Phrasierung kaum zu überbietenden Olympia-Koloraturen verblüfft. Bei aller Solidität – weder Raffaela Angeletti als zu italienisch-dramatische Antonia/Stella noch Riki Guy (Giulietta) mit eher moderatem Volumen können da Paroli bieten. Publikumsliebling ist Hoffmann selbst – der smarte Italiener Vittorio Grigolo gestaltet die Partie mit Grandezza, im Belcanto, als gelte es den Herzog aus "Rigoletto" zu singen.
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Moment – Verdi? Eben, hier ist das Problem. Grigolos Tenor ist zu hell für das französische Fach und im Bereich des Übergangs von der Brust- in die Kopfstimme zu wenig intensiv, zu wenig nasal – eben ein Hoffmann aus dem falschen Musikland. Die französische Klangsprache naturgemäß besser beherrscht sein diabolischer Gegenspieler Laurent Naouri (Lindorf, Coppelius, Miracle, Dapertutto), ein schwergewichtiger Bariton, gleichwohl mitunter etwas zu eindimensional. Nahezu ideal als Muse und Nicklausse dagegen agiert Michelle Breedt, deren Mezzosopran immer mehr Eigencharakteristik entwickelt. Offenbach at its best – auch bei Martin Zysset, dessen Buffotenor den notwendigen Couplettonfall trifft.
Kaum zu glauben, dass diese Produktion die erste Zusammenarbeit von Tonhalle-Orchesterchef David Zinman und Opernhaus markiert. Nach 15 Jahren Zürich-Präsenz. . . Und eigentlich ein bisschen schade. Denn der Amerikaner trifft die verschiedenen Ebenen von Offenbachs Musik mit dem (auch am besuchten zweiten Abend) exzellent aufgestellten Opernorchester ungemein plastisch und frankophon. Ein bisschen mehr Tempo an einigen Stellen könnte dem Spielfluss mitunter zuträglich sein. Was auch für die Inszenierung gilt. Die freilich musste der Zürcher Künstlerische Betriebsdirektor Grischa Asagaroff vom bei Probenbeginn erkrankten Thomas Langhoff übernehmen und führte sie handwerklich routiniert zu Ende. Aber ohne die rechte Inspiration, gerade in der Ensembleführung und ohne eine nahtlose Vernetzung der Ebenen des Realen und Surrealen, das sich in Bernhard Klebers Bühnenbild ein bisschen nach René-Magritte-Manier recht interessant andeutet. Opernroutine in Zürich – sie übertrifft noch immer die Möglichkeiten der meisten anderen Häuser. Dass man diese unvollendete, mit viel Tragik behaftete Oper in der aktuellen, relativ rund wirkenden "Rekonstruktion" der beiden Offenbach-Spezialisten Michael Kaye und Christophe Keck erleben darf, macht den Ausflug an den Zürichsee ohnedies lohnenswert.
– Weitere Aufführungen am 18., 21., 24., 26., 27., 31. März und 3. April. Tel. 0041/44/2686666.
Autor: Alexander Dick
