Vernissage auf dem Rhein

Ralf Strittmatter

Von Ralf Strittmatter

So, 02. September 2018

Kultur

Der Sonntag Bei der 14. Kulturnacht Laufenburg zeigen Künstler auf der Rheinbrücke Kunstwerke.

Konzerte, Kulinarisches, Vorträge und Führungen: Bei der 14. Kulturnacht in der Laufenburger Altstadt am Samstag, 8. September, gibt es von 18 bis 24 Uhr an 20 Stationen grenzüberschreitend ein reiches Kunst- und Kulturangebot. Auf der Laufenbrücke über den Rhein stellen Künstler aus Deutschland und der Schweiz ihre Arbeit vor.

Grundlegend hat die historische Altstadt von Laufenburg für Besucher schon viel Sehenswertes zu bieten. Wer vom Rathaus auf der deutschen Seite über die Rheinbrücke zum Wasentor in der Schweiz läuft, darf sich an kleinen Plätzen und Brunnen, verwinkelten Pflastergässchen und charmanten Altstadthäusern bis an den Rhein erfreuen. Für die Kulturnacht wird diese malerische Kulisse seit 13 Jahren einen Sommerabend lang zur kulturellen Flaniermeile.

Um in den Genuss des reichen Angebots auf beiden Seiten des Rheins (siehe Infobox) zu kommen, müssen Kulturinteressierte die Laufenbrücke überqueren. Dort präsentieren zehn Künstler aus Deutschland und der Schweiz bei der Ausstellung "Brückenkünstler" Skulpturen aus Holz, Stein, Keramik oder Licht. Einer von ihnen ist Objektkünstler Ulrich Wössner. "Anders als Bildhauer arbeite ich meine Skulpturen nicht aus Rohmaterial heraus, sondern füge bestehende Dinge neu zusammen", sagt er.

Gemäß dem "objet trouvé", bei dem Alltagsgegenstände und Müll wie Kunst behandelt werden, verwendet Wössner für seine Arbeit Abfälle und Restmaterialien, die sich beim Renovieren seines Bauernhauses in Haltingen angesammelt haben, meistens Holz. "Gegenstände verfolgen einen bestimmten Zweck, sonst sind sie nutzlos", sagt er. Das Material habe aber auch eine zweckfreie Komponente. Durch seine Kunst verrücke der 65-Jährige vorgegebene Ansichten auf Dinge, mache ihren Eigensinn begreifbar.

Im ehemaligen Nutztrakt des Hauses hat Wössner sein Atelier eingerichtet. Dort stellt er seine Kunstobjekte aus. Die Skulptur "Big Data – Medusa alive", aus dem Zapfen eines Eichendachbalkens als Kopf und Kupferkabelresten als Schlangenhaar, zeigt Medusa aus der griechischen Mythologie. "Wie vor dem Gorgonenhaupt in der Antike, versteinern die Menschen heute vielleicht vor der Digitalisierung", gibt Wössner einen Interpretationsansatz.

Veikko Peters Kunst ist schwere Kost

Für "Kosmos unvollendet" hat Wössner Holzklötze so angeordnet, dass sie einen 25 Kilogramm schweren Würfel mit je 50 Zentimeter Seitenlänge ergeben. "Dafür habe ich nichts zurechtgesägt", sagt Wössner. Zum Beweis hat er eine Seite offen gelassen, die den Blick auf unterschiedlich lange Holzstücke freigibt. Hintergrund des Objekts sei ein Zitat Albert Einsteins: "Gott würfelt nicht."

In der Kunst behandelt Wössner Themen aus Religion, Literatur oder Politik. Inspiration dafür zieht der Religionswissenschaftler auch aus seinem Studium. "Manchmal beginne ich Arbeiten aus Freude am Material", sagt er. Dann ergebe sich erst später eine Deutung. Grundlegend beschäftige ihn immer die Umdeutung von Sinn.

Bei der Laufenburger Brückenkunst will auch Veikko Peter aus Lörrach mit surrealistischen Schweißarbeiten zum Denken anregen. Normalerweise arbeitet der gelernte Schweißer in einer Firma für Walzen in Brombach. Sein Arbeitgeber stelle ihm für seine Schweißskulpturen die Werkstatt und Schrottabfälle aus der Produktion zur Verfügung: Eisenbolzen, Zahnräder, Ketten, Gewinde, Kugellager und alte Werkzeuge. Peters Kunst ist schwere Kost – wortwörtlich: "Meine Arbeiten wiegen zwischen 20 und 50 Kilogramm."

Kleinere Skulpturen schweißt Peter zu Hause in der Garage. Hier lagert der 57-Jährige auch Arbeiten. Auf zwei Tischen stehen zahlreiche Skulpturen, eine sieht aus wie ein Kirchenkreuz, eine andere wie ein Wolf. Ein 50 Zentimeter hohes Objekt besteht aus drei übereinandergestapelten massiven Metallringen. Darin erinnern oben und unten abstrakte Figuren an Engel, aus der Mitte ragen zwei Hände mit geöffneten Handflächen. "Die Skulptur trägt den Titel ,Trauer‘", sagt er. Sie sei aus den Innen- und Außenringen großer Kugellager gefertigt. Die figürlichen Teile, die wie geschmolzenes Kerzenwachs wirken, seien mit Draht aus einer Mag-Pistole und dem Schweißgerät modelliert: "Das ist wie zeichnen", sagt Peter.

Wie bei der Skulptur "Trauer", die an einen Grabstein angelehnt ist, geht der Schweißkünstler bei seinen Arbeiten zunächst von einer groben Idee aus und sucht dann die passenden Metallteile für die Umsetzung des Kunstwerks zusammen. Unterlegscheiben schweißt Peter etwa wie ein Netz aneinander und formt daraus Gesichter und Körperteile, aus Kugellagertonnen werden einzelne Glieder von Fingern. In seiner Kunst verarbeitet der Lörracher seine Alltagseindrücke: "Was mir gerade auf der Seele brennt", sagt er.