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26. November 2010

Wenn Waffen Skulpturen werden

Das sozial engagierte Kunstprojekt des Freiburger Aktionstheaters Pan.Opticum.

Das Ding liegt gut in der Hand. Einem Waffennarren – auch hierzulande eine wachsende Spezies – würde jetzt das Herz höher schlagen. Doch wenn es einem schauert, dann nur bei dem Gedanken, dass mit dieser Kalaschnikow ganz gewiss getötet wurde. Und dass es ein Kinderfinger war, der an diesem Abzug lag. An die 300 000 "Soldaten" unter 18 Jahren sollen nach Schätzungen der UNO-Organisation terre des hommes derzeit in den Kriegsgebieten dieser Welt im Einsatz sein: Zwangsrekrutierte Kinder, deren Todesangst in Aggression und Gefühllosigkeit umgemünzt wurde: seelisch deformiert für den Rest ihres Lebens. Die Waffen, mit denen sie töten, kommen auch aus Deutschland: weltweit der drittgrößte Waffenexporteur. Ein Umstand, der noch immer viel zu wenig Empörung auslöst, finden der Frankfurter Künstler Peter Zizka und Matthias Rettner, Geschäftsführer des in Freiburg ansässigen Aktionstheaters Pan.Opticum. In der kalten Fabrikhalle, wo die aufwändigen Bühnenutensilien des international tätigen Ensembles lagern und jetzt Waffenreste zusammengeschweißt werden, ist von Freiburger Beschaulichkeit keine Spur. Mitten ins Ruhrgebiet fühlt man sich versetzt oder nach Berlin, wo sich das Theater 1982 gründete. In Rettners Büro bleibt der Blick auf einem kuriosen Wandbehang kleben: einer Collage aus Landminen, den tückischsten aller Tötungsgeräte. In der Produktion "Civil Wars" von 2004 hat das Aktionstheater mit 600 dieser makabren Platten das Foyer des Freiburger Stadttheaters und das Hygienemuseum Dresden gepflastert und sie anschließend für je 500 Euro als Kunstwerke verkauft. Der Erlös floss in Entminungsprojekte. Das war die erste Zusammenarbeit mit dem gesellschaftspolitisch engagierten Konzeptkünstler und Designer Peter Zizka. Mit seiner Bodeninstallation "Virtuelles Minenfeld" wurde er bekannt. Nun wollen Zizka und Rettner in ihrem Gemeinschaftsprojekt "Symbiosis" die Verflechtungen des europäischen Waffenhandels anprangern: 300 Schnellfeuergewehre, Kindersoldaten in Burundi abgenommen und unter Aufsicht der UNO verschrottet, werden paarweise ineinander verschweißt und weiß beschichtet. Im Verbund mit einer umfassenden Dokumentation über den Weg der Waffen werden die Kunstwerke in einer Wanderausstellung an prominenten Orten weltweit präsentiert – so jedenfalls die Idee der Initiatoren.

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Der Erlös aus dem Verkauf der umgebauten Gewehre soll – wiederum ohne staatliche Umwege – Hilfsprojekten in ostafrikanischen Krisengebieten zugute kommen. Kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, aber der Mühe wert, findet Matthias Rettner. In den letzten drei Jahren hat er mehrfach Ostafrika bereist. Zunächst die Republik Kongo, wo ebenfalls unter UNO-Aufsicht Waffenverschrottungen stattfinden. Doch veräußern wollte man die unbrauchbar gemachten Gewehre dort nicht – aus Angst vor der Rückkehr der Rebellen. In Burundi stieß Rettner zunächst auf eine kaum überwindbare Bürokratie. Ohne den persönlichen Einsatz des deutschen Botschafters Joseph Weiß wäre das Projekt mit Sicherheit gescheitert. Schon jetzt – die Waffenrelikte lagern noch in den Containern – lanciert das Theater Panopticum in Freiburg ein didaktisches Begleitprogramm für die Schulen. Große Museen signalisierten bereits Interesse und auch die ARD berichtete jüngst in ihrer Sendung "Titel Thesen Temperamente". Matthias Rettner lächelt zuversichtlich: "Wenn die Medien weiter mitziehen wird,Symbiosis’ ein Erfolg!"

Autor: Stefan Tolksdorf