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28. August 2009 01:00 Uhr
Neues Album
Whitney Houston: Die Stimme ist wieder da
Die erfolgreichste schwarze Sängerin der Gegenwart feiert ein Comeback: Whitney Houston. In grandioser Form präsentiert sich die Soul- und Pop-Ikone mit ihrer neuen CD "I Look To You".
Sichtlich gereift, blickt die 46-Jährige, immer noch eine Schönheit, vom CD-Cover. Mit ihrem typischen herausfordernden und immer leicht spöttischen Lächeln signalisiert sie dem Betrachter, dass sie sich ihrer Bestimmung wieder sicher ist. Ihr Presseauftritt in London, wo sie im Juli ihr Album präsentierte, wurde von den Journalisten vor Ort geradezu enthusiastisch gefeiert. Whitney Houston, schon zu Lebzeiten eine Musiklegende, hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht nur den Soul- und R&B-Markt, sondern auch den Pop mit ihrem cleveren Crossover-Ansatz dominiert. Nach sieben langen Jahren Abstinenz vom Musikgeschäft ist sie jetzt wieder da.
Ihr Entdecker und Produzent Clive Davis, Chef des Labels Arista, hat die Tochter von Cissy Houston und Nichte von Dionne Warwick als 20-Jährige engagiert und machte sie 1985 gleich mit ihrem Debütalbum und dem ersten Hit "You Give Good Love" zum Megastar. Ihre unglaublich kraftvolle, glockenhelle, ausdrucksstarke, extrem modulierfähige und im Gospel bestens ausgebildete Stimme wurde zum Markenzeichen, zu einer signature voice, wie die Amerikaner sagen.
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Das Marketingkonzept ihres Entdeckers und Förderers machte Whitney Houston zur Freundin der schwarzen wie der weißen Frauen und zum unerreichbaren Traum vieler Männer. Ihre Karriere mutete an wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Allerdings mit einem unglücklichen Ende.
Das neue Album erzählt denn auch von tiefen Abstürzen, schlechten Ratgebern und traumatischen Erlebnissen. Es ist ja kein Geheimnis, dass Whitney Houston während der vergangenen Jahre in jeder Klatschspalte der Weltpresse zu finden war. Aber ihre Prügelorgien mit Ehemann Bobby Brown, ihre Drogen- und Alkoholexzesse, ihre erschreckenden Fernsehauftritte, die sie bis zum Skelett abgemagert zeigten, lallend und nur mühsam Haltung bewahrend, sind heute endgültig Vergangenheit. Scheidung, Entziehungskuren, und vor allem die Unterstützung ihrer inzwischen fast erwachsenen Tochter Bobbi Kristina haben die jetzt alleinerziehende Mutter aus dem Sumpf wieder ins Showgeschäft zurückgeführt.
Wobei man ihr das Vergangene anhört: Der von Superstar-Kollege R. Kelly geschriebene und produzierte Titelsong der neuen CD "I Look To You" ist eine so eindringliche wie intelligente Ballade, die – einfachst instrumentiert – den tiefen und neuen Glanz ihrer gereiften und etwas zerbrechlicher gewordenen Stimme zeigt.
Der Veteran Clive Davis zeichnet wieder verantwortlich für die CD. Er hat mit Stargate, Eric Hudson und Johnta Austin, Swiss Beatz, David Foster und Diane Warren eine ganze Phalanx von angesagten Produzenten versammelt, um das außerordentliche Vermögen der Sängerin zu präsentieren, Gefühl in langsame Songs zu legen – wie bei ihrem Duett mit Akon auf "Like I Never Left", wie bei ihrer Interpretation von Leon Russells Klassiker "A Song For You" oder wie auf dem autobiographisch angehauchten Song "I Didn’t Know My Own Strength". Aber Houston beweist auch wieder ihr großes Talent für Dance Tracks: Das von Alicia Keys geschriebene, bereits als Single veröffentlichte "Million Dollar Bill" oder der Stomper "For the Lovers" reißen einfach mit. Natürlich muss auch das ebenfalls von R. Kelly verfasste "Salute" unbedingt erwähnt werden, das wahrscheinlich zu einer neuen Hymne des Soul werden wird.
Wir wissen jetzt, wie sehr wir sie vermisst haben. Diese Whitney Houston wird weiter Musikgeschichte schreiben. Most welcome back!
– CD: Whitney Houston: I Look To You (Arista/Sony). TV: Am 3. Oktober tritt Houston (wie auch Nelly Furtado) bei "Wetten, dass...?" in Freiburg auf.
Autor: Christian Hodeige
