Wieder geht es ums Geld

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Do, 02. Februar 2017

Theater

Künstlerinnen und Künstler sind froh über das Proben- und Aufführungshaus Südufer – allerdings sind die Bedingungen schwierig.

E-Werk-Geschäftsführer Jürgen Eick sprach schon im Herbst von einem "Unvollendeten". Und das ist das Proben- und Aufführungshaus Südufer für die freie Tanz- und Theaterszene Freiburgs noch immer. Die dort arbeitenden Künstlerinnen und Künstler, aber auch Kulturamtsleiter Achim Könneke sind sich einig, dass das Haus ein Gewinn ist – und sie betonen unisono, dass vieles verbessert werden muss. Um die Bedingungen zu optimieren, müsse erneut Geld in das Haus gesteckt werden, das durch eine Public-Private-Partnership von Stadt und Investor Jürgen Lange-von Kulessa zustande kam. Für den Doppelhaushalt 2017/18 hat Eick nun 22 000 Euro für einen mobilen Tanzboden beantragt, dessen Fehlen bereits öffentlich beklagt wurde. Außerdem beantragte er zusätzliche 156 000 Euro für zwei Stellen im Südufer.

Ein Blick zurück ins Jahr 2014: Die Stadt beteiligt sich laut Beschluss-Vorlage zu zwei Dritteln an den Baukosten des Südufers – mit einem einmaligen Investitionskostenzuschuss von 593 000 Euro. Darüber hinaus gibt sie 100 000 Euro ans E-Werk für die Ausstattung des Südufers – Technik und Bestuhlung. Die durch den hohen Investitionskostenzuschuss reduzierte Jahreskaltmiete an Lange-von Kulessa beträgt 30 862,56 Euro. Das Mietverhältnis begann am 1. August 2015 und wurde für zehn Jahre vereinbart – mit einer zweimaligen Verlängerungsoption für das E-Werk um weitere fünf Jahre. Nun hat das E-Werk als Träger des Hauses erstmals Bilanz gezogen: So fanden im ersten komplett bespielten Jahr 2016 neun Theater- und Tanz-Premieren im Südufer statt, ferner zwei Wiederaufnahmen und 25 Impro-Theateraufführungen. Geöffnet war das Haus auch im Rahmen des Internationalen Tanz- und Theaterfestivals und beim Labormanifest der jungen Tanzszene. Insgesamt sahen den Angaben zufolge 3817 Besucher 89 Veranstaltungen. Das scheint verbesserungswürdig, denn rein rechnerisch wären doppelt so viele Besucher möglich. Der Saal fasst etwa 80 Zuschauer. Das Haus, das ja vor allem als Antwort auf die prekäre Probensituation für die freien Gruppen in Freiburg gebaut wurde, hatte mit 265 Tagen einen, so das E-Werk, "voll belegten" Probenraum. Es ist noch nicht möglich, diese Zahlen mit anderen zu vergleichen, da das Haus ja erst im August 2015 eröffnet wurde.

Hört man sich unter den Künstlerinnen und Künstlern um, so stellt sich schnell heraus, dass das Südufer von allen als eine Bereicherung angesehen wird, dass die Arbeitsbedingungen jedoch noch zu wünschen übrig lassen. Monika Kozaczka, die aktuell das Südufer mit ihrer Tanzperformance "Messiaen in Tanz" bespielt, beklagt, dass es eine "technische Betreuung nicht gibt". Mit anderen Worten: Es gibt keinen Techniker, der sich mit der eigens angeschafften Licht- und Tonanlage auskennt; die Gruppen müssen diese Arbeit selber leisten, obwohl sie dafür nicht ausgebildet sind, oder sie müssen von ihren schmalen Budgets externe Fachleute bezahlen. "Wir behelfen uns, aber das ist kein Dauerzustand", sagt Kozaczka, die darüberhinaus "superfroh" über das Südufer ist.

"Notwendig ist eine Person, die vor Ort ansprechbar ist: ein Kulturmanager." Dieser Meinung ist Barbara Zimmermann, Regisseurin und Mitglied der Freiburger Initiative Freie Tanz und Theater (Fifft), der Organisation, die vehement für die Realisierung eines Proben- und Aufführungshauses gekämpft hat. Theatermann und Fifft-Mitglied Stefan Wiemers ergänzt: "Es ist grandios, dass es das Haus gibt. Das Haus ist gut für experimentelle Formen – ein Labor Manifest hätte im großen E-Werk nicht funktioniert. Solche Freiräume braucht die Kunst." Auch Kulturamtschef Achim Könneke bezeichnet das Südufer als "lohnende Investition und wichtige Bereicherung", die ohne den privaten Investor und das E-Werk nicht zu realisieren gewesen wäre. Wie es finanziell weitergehe, das werde nun in den Haushaltsberatungen diskutiert werden. Womöglich müsse das E-Werk für das Südufer aber auch private finanzielle Möglichkeiten finden – etwa in Form eines Fördervereins.