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21. September 2013

Zwei Stunden Groove im Gewölbe

Hellmut Hattler war mal wieder da: Die Band "Hattler" trat beim Jazzfestival Freiburg auf.

  1. Hellmut Hattler Foto: Wolfgang Grabherrr

Er hätte ja längst mit dieser Band mal hier spielen wollen, sagte Helmut Hattler auf der Bühne des Jazzhauses. Mit seiner alten Band Kraan und dem Duo Tab Two ist er – öfters – schon im Kellergewölbe aufgetreten, nun, im Rahmen des Jazzfestivals Freiburg, hat es auch mit "Hattler" geklappt, der Band, die er 2000 gegründet hat und deren heutige Besetzung seit sieben Jahren zusammen ist. Aber eigentlich ist es ja egal, mit wem der mittlerweile 61-jährige Altmeister des E-Basses kommt, seine Fans kommen auch. Und sie wissen, was sie bekommen werden: zwei Stunden Groove-Musik.

Mit Hattler hat Hattler, der immer noch jugendlich wirkt, sich nach dem 70er-Jahre-Jazzrock von Kraan der digitalen Gegenwart zugewandt. Auf dem jüngsten, tollen Album "The Kite" hat er sich wieder vom Computermusiker Peter Musebrink (in dessen Projekt Deep Dive Corp. er Dauergast ist) elektronische Sounds und Beats machen lassen. Und eben solche laufen auch auf der Bühne, geben Rhythmus und ein bisschen Atmosphäre vor. Werden aber dann umgehend in analoge, wie man sagt: handgemachte Musik überführt. Schlagzeuger Oli Rubow ist der Mann für so federnde wie zwingende Rhythmusfiguren, der kongeniale Partner für den Bassisten Hattler, in dessen einmaligem, virtuosem Spiel nicht ganz einfache Taktarten und einfallsreich eingängige Motive sich organisch verbinden.

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Das ist aber erst die eine Hälfte von Hattler. Über dem Groove liegt die Gitarre von Torsten de Winkel, die mal nach klassischem Fusionsound, aber auch mal nach westafrikanischem Highlife oder indischer Sitar-Musik klingt. Die Trompeten von Sebastian Studnitzky und Joo Kraus, die auf dem jüngsten Album von Hattler auch zu hören sind, vermisst man ob der vielen Klangfarben, die de Winkel malt, gar nicht.

Hauptsache, Fola Dada ist auch da: Die Sängerin bringt den Soul in die Band, wenn sie im Titelsong des jüngsten Albums von einer himmelwärts strebenden Beziehung singt oder in "Fine Days" im Gegenteil von schmerzhaften Zeiten. Zu Beginn des Konzerts steht sie im Mittelpunkt, die drei Männer in der Band spielen ihr zu. Im Laufe des Abends aber fügt Fola Dada sich umgekehrt mit ihrer Stimme in den Groove der Musiker, setzt hier zum Scat an, wird dort beim Drumsolo zum vokalen Widerpart.

Langsam wird es kaum einmal. In den instrumentalen Stücken, wenn die Sängerin sich zurückzieht, kommen alle die auf ihre Kosten, die wegen Hattlers flinker Soli gekommen sind. Der Rhythmus bestimmt den Abend, gegen Ende flachst Hattler zum Vergnügen des Publikums, das nächste Mal werde man die Stühle draußen lassen, "man groovt sich ja den Arsch wund". Und das bei einem Jazzfestival. Begeisterter Beifall. Und mit der Zugabe "Sliding in Slomo" fahren Hattler das Tempo runter.

Autor: Thomas Steiner