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20. August 2012

Tirol

70-Jähriger überlebt sechs Tage in der Gletscherspalte

70-Jähriger schildert seine Tage in der Gletscherspalte.

INNSBRUCK (dpa). Mit guter Ausrüstung, Gebeten und Träumen von Dosenpfirsichen hat der 70-jährige Bayer sechs Tage in der Gletscherspalte in Tirol überlebt. "Ich habe sehr viel gebetet da unten", sagte Manfred Walter der Bild am Sonntag. Er habe an seine Söhne und Enkelkinder gedacht und die Hoffnung bis zuletzt nicht aufgegeben. Aus Dank wolle er – sobald er wieder laufen könne – eine Wallfahrt machen. "Das habe ich meinem Herrgott da unten versprochen."

Fast regungslos habe er auf einem kleinen Schneevorsprung ausgeharrt, um nicht zu rutschen und tiefer zu fallen. Tropfenweise habe er das Schmelzwasser in seiner Trinkflasche gesammelt, immer wieder lutschte er ein bisschen Schokolade. "Dann habe ich mir vorgestellt, es wäre heiße Schokolade. Mei, herrlich!", erzählt der Rentner aus Schmidmühlen, nachdem er von der Intensivstation der Uniklinik Innsbruck entlassen wurde.

Die letzten drei Tage habe er in einer Art Dämmerzustand verbracht. Er habe von Obst in der Dose geträumt. "Hach, dachte ich, das wär’s jetzt, so eine Dose Pfirsiche oder Mandarinen oder Ananas." Er habe gewusst, dass er nicht einschlafen durfte, um nicht abzustürzen. Tagsüber, zwischen 10 und 16 Uhr, habe er um Hilfe gerufen – bis ihn Bergsteiger sechs Tage nach dem Absturz hörten.

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Schmerzen habe er da unten kaum gehabt, auch keinen Hunger. Seinen Wurst- und Käsevorrat habe er unberührt mit in die Klinik gebracht: "Weil ich so einen trockenen Mund hatte, hab ich ja auch nichts runterbekommen."

Autor: dpa