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31. August 2010 17:41 Uhr
Gastspiel in Jena
Afrikas Big Circus: Elefant frisst Handtasche
Ausgebüxte Tiere, ein zerlegter Spielplatz, dubiose Freikarten: "Afrikas Big Circus" hat 2009 in Südbaden Schlagzeilen gemacht. Jetzt sorgt der Zirkus in Jena für Aufregung. Ein Elefant hat die Handtasche einer Frau aufgefressen.
Pleiten, Pechen und Pannen gehören zur circensischen Karriere der Familie Hardy Weisheit wie die regelmäßig wechselnden Namen ihrer Amüsierbetriebe. Ein neues Kapitel dieser unendlichen Geschichte wurde nun in Jena geschrieben, wo die Weisheits unter dem Namen "Jambo Afrika" gastierten. Elefantendame Tonga hat den Beutel einer Besucherin verschluckt, inklusive Autoschlüssel und einer Barschaft von 55 Euro – und die Frau dabei verletzt.
Nach Angaben des Opfers und einer Zeugin, die sich aufgrund von Medienberichten bei der Polizei in Jena meldete, soll sich der Vorfall so zugetragen haben: Die Besucherin war mit einem Kind bei der Tierschau von "Jambo Afrika". Das Mädchen fütterte die mit einem Stahlseile angepflockte Tonga mit Gras. Die Elefantin kam deshalb näher und schnappte sich plötzlich den Beutel der Frau. Diese kletterte über das Seil, das Mensch und Tier voneinander trennte, rief vergeblich nach dem Personal und wollte ihren Beutel zurück. Der lautstarke, aber einseitige Dialog soll die durch den Lärm aggressiv gewordene Tonga auf ihre Weise beendet haben. Sie packte die Frau mit dem Rüssel und warf sie über ihren Rücken auf den Boden, bestätigt eine Zeugin. Das offenbar kurzfristig ohnmächtige Opfer kam mit Prellungen davon. Der Beutel samt Inhalt blieb in Tongas Bauch. Lediglich der Ersatzautoschlüssel kam wieder zum Vorschein, war aber nicht mehr zu gebrauchen, sagt die Polizei.
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Um zu verhindern, dass sich solche Vorfälle noch mal ereignen, zeigte die Frau den Zirkus wegen fahrlässiger Körperverletzung an. Hardy Weisheit hat nach Angaben der Polizei in Jena seinerseits die Frau wegen falschen Verdächtigungen angezeigt. Das angebliche Opfer sei betrunken gewesen, sagte der Zirkusdirektor der Polizei. Wegen der Berichte über den Vorfall – Tonga schaffte es sogar in die Bild-Zeitung – seien ihm Gastspiele abgesagt worden. Für Weimar, der nächste Station der Tournee von "Jambo Afrika" gilt das aber nicht, wie ein Anruf der Badischen Zeitung bei der Stadt ergab.
Derartige Vorfälle, die entweder die Polizei, Stadtverwaltungen, Behörden, Rechtsanwälte oder alle zusammen auf den Plan rufen, begleiteten die Weisheits seit Jahren. Regelmäßig brechen Vierbeiner aus, reist der Zirkus mit mehr Mensch und Tier oder einem ganz anderen Programm an als mit den gastgebenden Gemeinden vereinbart oder klebt mehr Plakate als erlaubt. Ab und an wurden auch vermeintliche Freikarten verteilt, die aber lediglich einen Rabatt ermöglichen – alles Beispiel aus dem vergangenen Jahr, als der Zirkus in Südbaden unterwegs war. Ähnliche Vorfälle spielten sich auch in diesem Jahr wieder ab – zum Beispiel im Taunus, in Franken und Zwickau.
Wie die Faust aufs Auge passt zu all diesen Episoden eine neue Geschäftsidee der Weisheits. Sie wollen einen Elefanten-Führerschein anbieten. In Workshops soll unter anderem vermittelt werden, wie man auf den Dickhäutern reitet und sie pflegt. "So etwas gibt es sonst nirgends auf der Welt", wird Hardy Weisheit in einem Zeitungsbeitrag vom Mai 2010 zitiert, "und wir hoffen, dass der ,Elefanten-Führerschein' ein zweites Standbein für uns werden kann."
Afrikas Big Circus in Südbaden: ein wanderndes Problem
Autor: Peter Disch
