Auch Beamte unter Mafia-Verdacht

dpa

Von dpa

Fr, 07. Dezember 2018

Panorama

Nach der europaweiten Razzia gegen die kalabrische ’Ndrangheta wird auch gegen Polizisten ermittelt.

DUISBURG (dpa). Die Anti-Mafia-Ermittlungen der Behörden erstrecken sich in Nordrhein-Westfalen auch auf Beamte. Es werde gegen fünf Beschuldigte wegen Verrats von Dienstgeheimnissen ermittelt, sagte eine Sprecherin der Duisburger Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Dabei handele es bei um zwei Polizisten, eine Regierungsbeschäftigte der Polizei, eine Mitarbeiterin der Stadt Wesseling und eine Ex-Mitarbeiterin der Stadt Duisburg. Sie sollen Informationen an mutmaßliche Mafiosi oder deren Helfer weitergegeben haben.

Um welche Informationen es sich bei den Beamten handelt, wollten die Ermittler nicht preisgeben. Die Beschuldigten sollen "behördliche Auskunftssysteme" genutzt haben. Nach bisherigem Stand hätten sie keine finanzielle Gegenleistung erhalten. Die Ermittlungen seien dadurch vermutlich nicht gefährdet worden.

Bei der internationalen Anti-Mafia-Razzia mit dem Decknamen "Pollino" war Nordrhein-Westfalen am Mittwoch einer der Schwerpunkte der Ermittler. Zahlreiche Objekte waren in NRW durchsucht worden. Bundesweit waren insgesamt mehrere Hundert Polizisten im Einsatz.

Einer der Hauptverdächtigen wurde in Pulheim bei Köln festgenommen. Es handelte sich um einen 45-jährigen Gastwirt. Er wird der mächtigen Mafiagruppe ’Ndrangheta zugerechnet.

Unterdessen berichteten italienische Ermittler, dass im niederrheinischen Brüggen aus einem Restaurant und einer Eisdiele der Transport von Kokain aus Lateinamerika über Holland, Belgien und Deutschland bis nach Italien gesteuert worden sei.

Nach der Razzia lobte der italienische Staatsanwalt Giovanni Bombardieri Neuerungen der deutschen Gesetzgebung: "Deutschland rüstet sich", sagte er in Anspielung auf die Möglichkeiten, auf das Vermögen der Mafia zuzugreifen. Solche rechtliche Handhabe müsste in ganz Europa geschaffen werden.