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04. Januar 2012

Gefährliche Brustimplantate

Behörden sammeln Daten

Noch ist unklar, wie viele deutsche Frauen sich Billig-Brustimplantate einsetzen ließen.

  1. Die Brustimplantate des französischen Herstellers PIP stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Foto: dpa

BERLIN/ FRANKFURT / HANNOVER (dpa/AFP). Billig-Brustimplantate des französischen Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP) wurden auch in Deutschland verwendet – bei wie vielen Frauen, versuchen Landesbehörden derzeit zu erfassen. Ein Sprecher des Landesversorgungsamtes in Stuttgart sagte, in Baden-Württemberg seien "nach erstem Wissensstand" rund zehn Kliniken betroffen.

Der Anwalt von PIP-Gründer Jean-Claude Mas, Yves Haddad, dementierte nach französischen Medienangaben die Vorwürfe, der Inhalt der Brustimplantate bestehe aus industriellen Komponenten. Das Unternehmen habe seine Produkte selbst hergestellt, betonte er nach Angaben der Zeitung Le Parisien – aus Zutaten, die von pharmazeutischen Unternehmen gekauft wurden und die auch bei Lippenstiften zum Einsatz kämen.

Der deutsche Chemiegroßhändler Brenntag hat am Dienstag erklärt, PIP Silikon geliefert zu haben. Die in Mülheim an der Ruhr beheimatete Firma betonte jedoch, dass PIP in den mitgelieferten Produktangaben darüber informiert worden sei, dass das Silikon nur zur Verwendung in der Industrieproduktion bestimmt sei. Brenntag erklärte weiter, im April 2010 eine Anfrage der französischen Behörden zu der Silikonlieferung vollständig beantwortet zu haben. Seitdem habe es keine weitere Anfragen gegeben.

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In Berlin wurden nach Angaben der Senatsverwaltung für Gesundheit drei Arztpraxen und ein Krankenhaus mit den Billig-Brustimplantaten beliefert. Sie seien nur bei wenigen Frauen verwendet worden. Genaue Zahlen lagen nicht vor. Es werde von Einzelfällen ausgegangen, sagte eine Sprecherin des hessischen Sozialministeriums. Die Befragungen der Regierungspräsidien und Arztpraxen liefen noch. In Rheinland-Pfalz dürfen die PIP-Implantate nach Angaben des Gesundheitsministeriums schon seit 2010 nicht mehr verwendet werden. Anlass sei ein Vertriebsverbot in Frankreich gewesen. Auch in Niedersachsen und im Saarland forschen die Behörden nach.

In Frankreich waren bis Ende des Jahres 20 Frauen an Krebs erkrankt, die Brustimplantate des französischen Herstellers PIP eingesetzt bekommen hatten. Ein Zusammenhang wird befürchtet, bewiesen ist er aber nicht. Weltweit sollen zwischen 400 000 und 500 000 Frauen betroffen sein.

In Deutschland wurden bislang 19 Fälle von gerissenen PIP-Implantaten, jedoch noch keine Krebserkrankungen bekannt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rät Frauen mit Silikonbusen , "zur individuellen Risikoabwägung" mit ihrem Arzt zu sprechen.

Autor: afp